Studie misst Langzeitänderungen der Kognition bei psychotischen Erkrankungen

  • JAMA Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In einer Kohorte von mehreren hundert Patienten mit psychotischen Störungen und Erkrankungen fanden sich Hinweise, dass die Kognition über eine Zeitraum von Jahrzehnten schneller nachlassen könnte als in einer Kontrollgruppe.

Hintergrund

Bisher ist nicht bekannt, ob die kognitiven Leistungen von Menschen mit psychotischen Erkrankungen mit zunehmendem Alter schneller abnehmen als bei der Allgemeinbevölkerung. Diese Information wäre jedoch essenziell für die klinische Prognose, die Anwendung möglicher Gegenmaßnahmen und auch für die Ressourcenplanung, erläutern die Autoren.

Design

Im Suffolk County Mental Health Project wurden Patienten erfasst, die erstmals wegen einer Psychose stationär aufgenommen wurden. 445 von ihnen nahmen an dieser Studie teil und wurden nach 2 und nach 20 Jahren auf ihre kognitiven Leistungen hin untersucht. Dabei wurde sowohl ein Gesamtwert ermittelt als auch eine Subanalyse für Patienten mit Schizophrenie, affektiven Psychosen und anderen Psychosen durchgeführt. Kontrollgruppe für den 2. Zeitpunkt waren 260 Menschen, die durch zufällige telefonische Anwahl rekrutiert wurden und bezüglich Wohnort (Postleitzahl) und demographischen Daten mit den Patienten gematcht wurden.

Ergebnisse

  • Die 705 Teilnehmer der Studie waren im Durchschnitt etwa 50 Jahre alt. Bei 4 der 6 angewandten Tests fand sich unter den Patienten eine Abnahme der kognitiven Leistungen (d = 0,31; Bereich 0,17 – 0,54; P
  • Kognitive Einbußen waren assoziiert mit einer Verschlechterung der beruflichen Funktionen (gemessen mit dem Visual Reproduction Test 2 und dem Symbol Digit Modalities Test) wie auch der Negativsymptomatik.
  • Im Vergleich zur Kontrollgruppe fanden sich bei den Menschen mit psychotischen Störungen altersabhängige Defizite beim Wortschatz, Sprachkompetenz und Abstraktionsvermögen (abstraction-executive function). Die größten Unterschiede gab es bei Menschen ab 50 Jahren.

Klinische Bedeutung

Die gemessenen Einbußen der kognitiven Fähigkeiten werden von den Autoren als klinisch signifikant eingestuft. In einigen Bereichen seien sie größer gewesen, als man dies bei einer normalen Alterung erwartet hätte. Falls sich das bestätigt, sollte diese Domäne Ziel für intensivierte Forschungen und Behandlungen sein, schreiben sie.

Finanzierung: National Institutes of Health, Niederländische Organisation für Wissenschaftliche Forschung, Seaver Foundation.