Studie hin oder her: Rotwein und Co. bleiben vermeidbare Migräne-Trigger


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Trotz einer aktuellen Studie, nach der Alkohol womöglich kein eigenständiger Migräne-Trigger ist, sollten laut Kopfschmerz-Experte Professor Hans-Christoph Diener Migräne-Patienten, bei denen Alkohol-Konsum mit Kopfschmerz-Attacken einhergeht, auf alkoholische Getränke, etwa Rotwein, verzichten. 

Alkohol als Migräne-Trigger überschätzt?

Eine aktuelle Studie zeigte, dass Rotwein nur bei knapp neun Prozent der Migräne-Patienten immer eine Migräne-Attacke auslöst. Die Studienautoren zweifeln daher an, dass alkoholische Getränke ein eigenständiger Migräne-Trigger sind. Wurde die Migräne auslösende Wirkung von Rotwein bislang also überschätzt? Der Essener Neurologe Hans-Christoph Diener kommentiert die Studie so: „Alkohol und vor allem Rotwein ist ein Migräne-Trigger, nicht geklärt ist nur, wie groß sein Einfluss tatsächlich ist.“  Und: „Selten ist nur ein einziger Trigger für den Ausbruch eines Migräneanfalls verantwortlich, meist kommen mehrere Auslöser zusammen. Rotwein kann man leicht umgehen, andere Migräneauslöser, wie z.B. Hormonschwankungen oder Wetterumschwünge, aber nicht. Deswegen ist es klug, auf vermeidbare Auslöser zu verzichten, um das Risiko für das Auftreten von Migräne-Attacken geringer zu halten.“

Ursache unbekannt, Auslöser bekannt

Migräne zählt zu den neurologischen Erkrankungen, deren Ursachen noch nicht vollständig erforscht sind. Bekannt sind aber Auslöser einer Migräne-Attacke, beispielsweise Stress, Änderungen des Schlaf-Wachrhythmus, Wetterumschwünge oder zyklusbedingte hormonelle Veränderungen bei Frauen. Auch ungewohnte, „extreme“ Sinneswahrnehmungen wie Lärm, visuelle Reize oder Gerüche können Migräne-Anfälle auslösen. Ebenso kann die Ernährung hineinspielen: Bei einigen der Betroffenen können die Kopfschmerzen durch das Auslassen von Mahlzeiten, bei anderen durch bestimmte Lebens- und Genussmittel wie Schokolade oder Alkohol provoziert werden.

Studie zum Stellenwert von Alkohol als Trigger

Eine aktuell im „European Journal of Neurology“ publizierte, niederländische Studie untersuchte den Stellenwert alkoholischer Getränke als Auslöser von Migräne-Attacken und den Effekt auf den Konsum von Alkohol bei Migräne-Patienten. 2197 Patienten wurden webbasiert zu ihrem Trinkverhalten und den Triggern, die bei ihnen die Kopfschmerz-Attacken auslösen, befragt. Von den Befragten erklärten insgesamt 783 Patienten (35,6%), dass Alkohol bei ihnen Kopfschmerz-Attacken auslöst. Unter den 1547 Befragten, die gelegentlich Alkohol trinken, war der Anteil sogar noch höher: In dieser Gruppe gaben 42,5% an, dass Alkohol bei ihnen ein Migräne-Trigger sei.

Am häufigsten „angeklagt“: Rotwein 

Die Studie untersuchte auch, welche alkoholischen Getränke besonders häufig zu Migräne-Attacken führen. Am häufigsten wurde Wein, insbesondere Rotwein, genannt (knapp 78 Prozent). Es wird vermutet, dass bestimmte, in Rotwein enthaltene Inhaltsstoffe wie Histamin, Tyramin oder Phenylethylamin diesen Effekt verursachen könnten. Die Befragten gaben an, dass bereits zwei Standardgläser ausreichen, um einen Migräneanfall zu provozieren. Andererseits berichteten aber nur knapp neun Prozent der Studienteilnehmer, dass Rotwein bei ihnen immer zu Migräne-Attacken führe. Die Studienautoren zweifelten daher, dass Alkohol/Rotwein ein eigenständiger Trigger ist.