Studie findet keinen eindeutigen Nutzen für Aromatase-Hemmung mehr als 5 Jahre nach dem Brustkrebs


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Brustkrebspatientinnen, die nach ungefähr 5 Jahren Therapie mit einem Aromatase-Inhibitor bzw. Tamoxifen gefolgt von einem Aromatase-Inhibitor krankheitsfrei waren, hatten unter 5 weiteren Jahren mit Letrozol zwar weniger Fernrezidive und kontralateralen Brustkrebs. Das krankheitsfreie Überleben war jedoch gegenüber Placebo nicht verbessert.

Hintergrund

Etwa die Hälfte aller Rückfälle und zwei Drittel aller Todesfälle durch Brustkrebs treten mehr als 5 Jahre nach der Diagnose auf. Bei Patientinnen mit postmenopausalem Brustkrebs hat sich der reversible Aromatase-Inhibitor Letrozol als wirksam im Anschluss an eine Tamoxifentherapie erweisen. Unklar ist jedoch die optimale Dauer solch einer Behandlung, und ob sie auch als Verlängerung einer Therapie mit Aromatase-Inhibitoren sinnvoll ist.

Design

Die randomisierte, doppel-blinde, Placebo-kontrollierte NSABP B-42 Studie sollte klären, ob eine verlängerte Behandlung mit Letrozol das krankheitsfreie Überleben nach 5 Jahren verbessert. Dazu wurden in 158 Zentren der USA, Kanadas und Irlands zwischen den Jahren 2006 und 2010 3966 Patientinnen rekrutiert, die ursprünglich mit einem Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs des Stadiums I – IIIA diagnostiziert worden waren, und die nach ungefähr 5 Jahren Therapie mit einem Aromatase-Inhibitor bzw. Tamoxifen gefolgt von einem Aromatase-Inhibitor krankheitsfrei waren. Sie erhielten nun weitere 5 Jahre entweder 2,5 mg Letrozol / Tag oder Placebo.

Hauptergebnisse

  • Der Anteil der Patientinnen, die vor Ablauf der Studie ausschieden, betrug unter Placebo 37 % und unter Letrozol 40 %.
  • Nach einem medianen Follow-Up von 6,9 Jahren wurden in der Placebo-Gruppe 339 Ereignisse (Rückfall, zweite primäre Malignität oder Tod) gezählt, unter Letrozol 292. Mit einem Chancenverhältnis HR von 0,85 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,73 – 0,999 wurde die Signifikanz jedoch knapp verfehlt (p=0,048).
  • Das krankheitsfreie Überleben nach 7 Jahren wurde auf 81,3 % in der Placebo-Gruppe geschätzt, und auf 84,7 % unter Letrozol.
  • Bei den Endpunkten Fernrezidive und kontralateraler Brustkrebs war die fortgesetzte Behandlung mit Letrozol gegenüber Placebo überlegen (61 vs 87 Ereignisse bzw. 30 versus 59).
  • Während der Studie starben 146 Patientinnen unter Placebo und 164 unter Letrozol. Mit einem HR von 1,15 und einem 95%-KI von 0,92 – 1,44 war dieser Unterschied jedoch nicht signifikant (p=0,22).
  • An Nebenwirkungen wurde unter anderem die Zahl der Frakturen erfasst. Sie betrug unter Placebo 78, unter Letrozol 91. Dies war ebenso wenig signifikant wie das Verhältnis arterieller thrombotischer Ereignisse von 59 zu 71. Die weitere Analyse zeigte allerdings einen signifikanten Anstieg unter Letrozol nach 2,5 Jahren Therapiedauer.

Klinische Bedeutung

Die Studie hat nicht das klare Signal geliefert, das sich die Autoren wohl erhofft hatten. Eine Überlegenheit der Letrozol-Therapie zeigte sich nur bei den sekundären Endpunkten Brustkrebs-freies Intervall und Fernrezidive. Auf das Gesamtüberleben hatte dies jedoch keinen ersichtlichen Einfluss. Angesichts des bescheidenen Effekts sei es wichtig, Subgruppen von Patientinnen mit erhöhtem Rückfallrisiko zu identifizieren, bzw. solche, die von der verlängerten endokrinen Therapie einen überproportionalen Nutzen haben. Anhand der eigenen Daten könne man diese Gruppen jedoch nicht erkennen, müssen die Forscher einräumen.

Finanzierung: National Cancer Institute, Korea Health Technology R&D Project, Novartis.