Strahlentherapie im Wundbett nach Lumpektomie langfristig nicht schlechter als Standardbestrahlung

  • JAMA Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nach einer Lumpektomie scheint es möglich, statt einer regulären externen Strahlentherapie der ganzen Brust auch eine um mehrere Wochen verzögerte, einmalige Bestrahlung des Wundbetts vorzunehmen. Nach 5 Jahren waren lokale Rezidive mit dieser Methode zwar häufiger, nach 9 Jahren aber gab es beim Gesamtüberleben keinen signifikanten Unterschied mehr zur regulären Strahlentherapie.

Hintergrund

Erhalten Frauen mit Brustkrebs eine adjuvante Strahlentherapie, so ist dies gleichermaßen belastend wie aufwändig. Einige spürten deshalb die Verpflichtung, eine Mastektomie vornehmen zu lassen, schreiben die Autoren der aktuellen Studie. Andere würden gänzlich auf die Strahlentherapie verzichten. Daher wollten die Forscher herausfinden, ob eine Strahlentherapie ohne Einbußen bei der Sicherheit auf das Tumorbett beschränkt werden kann. Im ersten Teil der Studie TARGIT war dies bereits gezeigt worden, wenn solch eine Therapie zum Zeitpunkt der initialen Exzision erfolgt. Nun wurde danach gefragt, ob dies auch für eine (leichter zu planende) verzögerte Strahlentherapie des Wundbetts gilt.

Design

Die internationale, multizentrische, prospektive Studie TARGIT-IORT rekrutierte 1153 Brustkrebs-Patientinnen ab 45 Jahren mit invasiven duktalen Karzinomen von einem Durchmesser unter 3,5 Zentimetern, die eine brusterhaltende Therapie erhielten. Sie wurden nach chirurgischer Entfernung der Karzinome randomisiert auf eine Bestrahlung der ganzen Brust (EBRT, Kontrolle) oder auf eine verzögerte intraoperative Strahlentherapie (IORT, Intervention), die bei einem zweiten Eingriff durch Wiedereröffnung der Lumpektomie-Wunde appliziert wurde. Gefragt wurde nach der Nicht-Unterlegenheit der IORT, die definiert war als ein Unterschied von maximal 2,5 % bei der Häufigkeit lokaler Rezidive nach 5 Jahren, sowie dem Langzeitüberleben.

Ergebnisse

  • Die Teilnehmerinnen waren durchschnittlich 63 Jahre alt. Fünf Prozent hatten Tumoren mit einem Durchmesser > 2 cm oder Lymphknotenbefall, und nur 2,7 % waren jünger als 50 Jahre.
  • Die Prozedur der TARGIT-IORT erfolgte median 37 Tage nach der Lumpektomie und hatte eine lokale Rezidivrate nach 5 Jahren von 3,96 % gegenüber 1,05 % für die externe Strahlentherapie. Die Differenz von 2,91 % lag oberhalb des vorab definierten Maximums, der Nachweis der Nicht-Unterlegenheit der IORT ist somit gescheitert.
  • In der langfristigen Nachverfolgung der Patientinnen (median 9 Jahre) war der Unterschied bezüglich des Überlebens ohne lokale Rezidive statistisch nicht mehr signifikant. Das Chancenverhältnis HR hatte 0,75 betragen bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,57 – 1,003 (P = 0,052).
  • Ebenfalls statistisch nicht signifikant waren die Unterschiede bei
    • Mastektomie-freies Überleben (HR 0,88; 95%-KI 0,65 – 1,18; P = 0,38)
    • Überleben ohne Fernmetastasen (HR 1,00; 95%-KI 0,72 – 1,39; P = 0,98)
    • Gesamtüberleben (HR 0,96; 95%-KI 0,68 – 1,35; P = 0,80)
       

Bedeutung

Die Daten zeigen eine anfängliche Zunahme von lokalen Rezidiven unter der TARGIT-IORT im Vergleich zur Standardtherapie. Langfristig war der Unterschied bei allen drei Parametern nicht mehr signifikant, allerdings wurde die Grenze bei den Lokalrezidiven nach 9 Jahren nur knapp verfehlt. So verbessert die Studie zwar die Datenlage, Empfehlungen werden aber angesichts der durchwachsenen Gesamtbilanz nicht unbedingt einfacher. „Die Ergebnisse weiterer Forschungen zu den Präferenzen der Patientinnen wären für die Diskussion hilfreich“, schreiben denn auch die Autoren.

Finanzierung: University College London Hospitals (UCLH)/UCL Comprehensive Biomedical Research Centre und andere öffentliche Einrichtungen.