Strahlentherapie beim Prostatakarzinom mit nur 7 Fraktionen scheint ohne Wirkverlust möglich

  • Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Schwedischen Forschern ist der Nachweis gelungen, dass beim intermediären Prostata-Karzinom eine Ultra-Hypofraktionierung mit nur 7 Sitzungen gegenüber einer konventionellen Strahlentherapie ohne Wirkverlust möglich ist.

Hintergrund

Beim Versuch, Prostatakarzinome mittels einer Strahlentherapie zu eradizieren, werden seit einigen Jahren auch hypofraktionierte Dosisregime mit bis zu 26 Behandlungen angewandt, denen in Studien eine gute Krebskontrolle ohne zusätzliche Morbidität bescheinigt wurde. Inwiefern dies auch für ein ultra-hypofraktioniertes Regime gilt, wurde bisher aber nicht in randomisierten Studien getestet.

Design

Ziel der offenen, randomisierten Phase 3-Studie HYPO-RT-PC war es, die Nicht-Unterlegenheit einer ultra-hypofraktionierten Strahlentherapie (42,7 Gy in 7 Sitzungen an 3 Tagen / Woche über 2,5 Wochen) gegenüber einer konventionellen Strahlentherapie (78 Gy in 39 Sitzungen an 5 Tagen / Woche für 8 Wochen) bei Männern bis zu 75 Jahren zu testen, die an einem Prostatakarzinom mit intermediärem bis hohem Risiko erkrankt waren. Eine Androgendeprivation war nicht erlaubt; primäres Studienziel war die Zeit bis zum biochemischen oder klinischen Scheitern der Therapie.

Ergebnisse

  • Unter den 1180 Patienten der per-Protokoll-Population hatten 89 % ein intermediäres Risiko und 11 % ein hohes. Die mediane Nachverfolgungszeit betrug 5,0 Jahre.
  • In beiden Studiengruppen betrug die Überlebensrate ohne Therapieversagen nach 5 Jahren 84 %, was einem adjustierten Chancenverhältnis HR von 1,002 entsprach (95%-Konfidenzintervall 0,758 – 1,325; p = 0,99). Die vorab definierte Schwelle der Nichtunterlegenheit von maximal 4 % bzw. einem HR von 1,338 wurde somit eingehalten.
  • Bei der mittels Radiation Therapy Oncology Group (RTOG) morbidity scale gemessenen Toxizität des Schweregrades 2 oder schlimmer bezüglich Darm und Harnröhre gab es im zeitlichen Verlauf keine signifikanten Unterschiede, mit Ausnahme einer geringfügig erhöhten urinären Toxizität 1 Jahr nach hypofraktionierter Therapie (6 % versus 2 %).
  • In der Patientenbewertung wurden akut unter hypofraktionierter Therapie vermehrt urinäre und Darm-Probleme gemeldet, doch hatten diese Nachteile langfristig bis auf die urinären Symptome nach einem Jahr keinen Bestand.

Klinische Bedeutung

Die Kompression einer Strahlentherapie gegen Prostatakarzinome mit intermediärem oder hohem Risiko auf nur 7 Sitzungen hatte über einen Zeitraum von 5 Jahren keine negativen Auswirkungen auf die Erfolgsaussichten der Therapie. Obwohl die kurzfristigen Nebenwirkungen etwas erhöht sind, sehen die Autoren in ihren Resultaten doch eine Bestätigung für die Ultra-Hypofraktionierung. Patienten profitierten von kürzeren Behandlungszeiten, und auch die Kosten seien geringer – zumindest wenn die Behandlung wie hier geschehen mit fortschrittlichster Bildgebung erfolgt.

Finanzierung: Nordische Krebsunion, Schwedische Krebsgesellschaft, Schwedischer Forschungsrat.