Strahlentherapie bei Krebs: Protonen vergleichbar effektiv wie Photonen, aber deutlich verträglicher

  • JAMA Oncol

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Werden lokal fortgeschrittene solide Tumoren in kurativer Intention mit Protonen bestrahlt, sind bestrahlungsassoziierte Nebenwirkungen (mindestens Grad 3) deutlich seltener als bei der - üblichen - Photonenbestrahlung. Das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben sind dagegen vergleichbar.

Hintergrund
Die Radiochemotherapie ist bei vielen lokal fortgeschrittenen Tumoren Standard, zum Beispiel Kopf-Hals-Tumoren, ZNS-Tumoren, Lungenkarzinomen oder Tumoren des oberen Gastrointestinaltrakts. Die Intention der Behandlung ist in diesem Stadium im Allgemeinen die Heilung. Klinisch relevante unerwünschte Effekte sind jedoch häufig, zum Beispiel Mukositis im Mund-Rachenraum, Übelkeit und Erbrechen und strahleninduzierte Lungenschädigungen. Bestrahlungen mit Photonen in Form der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) oder der 3-dimensionalen konformalen Bestrahlung sind Standard seit Jahrzehnten. Die in Technik und Bestrahlungsplanung aufwendigere Protonenbestrahlung ist weniger verbreitet, auch in Deutschland. In der Analyse einer großen US-amerikanischen Kohorte sind Effektivität und Nebenwirkungen der beiden Strahlungsquellen verglichen worden.

Design

  • retrospektive Analyse von Wirksamkeit und klinisch relevanten unerwünschten Effekten der Bestrahlung mit Protonen oder Photonen an einer großen Kohorte
  • Studienteilnehmer: 1.483 erwachsene Patienten mit lokal fortgeschrittenen soliden Tumoren, die zwischen Januar 2011 und Dezember 2016 an der Universitätsklinik St. Louis mit Photonen (n = 1.092) oder Protonen (n = 391) bestrahlt wurden und parallel Zytostatika erhielten
  • Tumorentitäten: solide Malignome, bei denen im lokal fortgeschrittenen Stadium die Chemoradiotherapie Standard ist (Blasen- und Merkel-Zell-Tumoren waren ausgeschlossen)
  • Primärer Endpunkt: 90-Tages-Morbidität und -Mortalität

Hauptergebnisse
Die mit Protonen bestrahlten Patienten der Kohorte waren durchschnittlich 3 Jahre älter als die mit Photonen therapierten (63,3 Jahre vs. 60,2 Jahre) und hatten durchschnittlich mehr Komorbiditäten. Bei der Bestrahlungsplanung für die Protonentherapie war die durchschnittliche Strahlenbelastung von Gewebe außerhalb des Zielvolumens signifikant geringer bei der Bestrahlung mit Protonen als bei der Photonenbestrahlung (p

Klinische Bedeutung
Nach Adjustierung um mögliche Einflussfaktoren war die Protonenbestrahlung kombiniert mit Zytostatika verträglicher, aber vergleichbar effektiv wie die Photonenbestrahlung. Die bessere Verträglichkeit reduziere auch die Hospitalisierungsrate, so die Autoren. Die Studienergebnisse seien eine solide Grundlage, um die Protonenbestrahlung weiterzuentwickeln und die beiden Bestrahlungsformen in prospektiven klinischen Studien zu vergleichen.

Finanzierung: öffentliche Mittel