Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren: Kein Zusatznutzen für Cetuximab

  • JAMA Otolaryngology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Patienten mit fortgeschrittenen Karzinomen im Kopf-Halsbereich, die eine Strahlentherapie bekommen, profitieren nicht von der zusätzlichen Gabe von Cetuximab. Patienten, die stattdessen Cisplatin erhielten, hatten dagegen signifikant bessere Überlebenschancen.

Hintergrund

Bei regional fortgeschrittenen Karzinomen im Kopf-Halsbereich wird statt einer alleinigen Strahlentherapie oder der Kombination mit Cisplatin häufig Cetuximab zusätzlich zur Strahlentherapie verabreicht, weil man sich davon Vorteile beim Gesamtüberleben und in der Verträglichkeit der Behandlung verspricht. Allerdings gibt es nach Darstellung der Autoren bisher nur wenige Daten, die dieses Sichtweise unterstützen.

Design

Kohortenstudie mit 1.091 Patienten mit Kopf-Halstumoren der Stadien III bis IVB (74,9 % männlich, Durchschnittsalter 73,9 Jahre), die in den Jahren 2004 bis 2014 in der Datenbank Surveillance, Epidemiology, and End Results Program (SEER) erfasst wurden, und die nicht operiert wurden. Sie wurden aufgrund ihrer initialen Therapie in 3 Gruppen geschieden, für die jeweils die Überlebenswahrscheinlichkeit HR berechnet wurde, sowie die Wahrscehinlich eines Aufenthaltes in der Notaufnahme oder der regulären Krankenstation, und die Kosten innerhalb der US-amerikanischen Medicare-Systems in den ersten 90 Tagen.

Ergebnisse

  • Patienten unter einer Strahlentherapie mit Cisplatin hatten bessere Überlebenschancen als ohne Cisplatin. Das adjustierte Chancenverhältnis HR betrug 0,64, das 95%-Konfidenzintervall 0,47 – 0,87.
  • Die Strahlentherapie mit Cetuximab war dagegen einer alleinigen Strahlentherapie nicht überlegen: HR 0,95; 95%-KI 0,75 – 1,20. Dies galt für alle Altersgruppen.
  • Im Vergleich zu einer alleinigen Strahlentherapie war das Risiko für einen Aufenthalt in der Notaufnahme sowohl durch die Addition von Cisplatin erhöht (HR 1,72; 95%-KI 1,30 – 2,30), als auch mit Cetuximab (HR 1,38; 95%-KI 1,05 – 1,82).
  • Die Kosten für das US-Gesundheitssystem (Medicare) betrugen über 90 Tage durchschnittlich umgerechnet € 44.000 unter einer Strahlentherapie mit Cetuximab, € 29.900 mit Cisplatin und € 25.000 mit alleiniger Strahlentherapie.

Klinische Bedeutung

Der mutmaßliche Überlebensvorteil durch die zusätzliche Gabe von Cetuximab zur Strahlentherapie bei Pateinten mit fortgeschrittenen Karzinomen im Kopf-Halsbereich konnte in dieser Studie nicht bestätigt werden. Auch angesichts der deutlich höheren Kosten scheint das Präparat für diesen Patentenkreis von geringem Nutzen zu sein, urteilen die Autoren.

Finanzierung: National Institutes of Health, Stanford Center, California Department of Public Health, National Cancer Institute, Centers for Disease Control and Prevention