Stillen schützt Mütter vor Diabetes


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Stillen hat positive Effekte auch auf die Mütter und zwar über die Stillzeit hinaus. Das ist das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie, die seit Mitte der 1980er Jahre über 5.000 Erwachsene begleitet, die zum damaligen Zeitpunkt zwischen 18 und 30 Jahre alt waren. Ziel der Studie war damals, den Grund für das erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko von Afroamerikanern zu finden. Deswegen sind die Hälfte der Studienteilnehmer schwarz. 1.238 Teilnehmer waren Frauen, die zu Beginn der Studie nicht an Diabetes litten. In den folgenden 25 Jahren erkrankten davon 182 an Typ-2-Diabetes, dies bedeutet eine Inzidenz von 6,6 Erkrankungen auf 1.000 Personenjahre. Wie erwartet waren Frauen, die während ihrer Schwangerschaft an Gestationsdiabetes litten, deutlich überrepräsentiert. Bekannt ist zudem, dass Afroamerikanerinnen etwa annähernd dreimal so oft an Diabetes erkranken als andere Frauen.

Es zeigte sich, dass Stillen eine klare protektive Wirkung hat. Frauen, die ihre Kinder mindestens ein Jahr lang stillten erkrankten zu 71 Prozent seltener an Diabetes. Dieses Ergebnis beruhte allerdings nicht nur auf dem Stillen, sondern auch darauf, dass Frauen die ihren Kindern so lange die Brust geben, auch in anderen Belangen gesünder leben. Die Langzeitstillerinnen erkrankten deutlich seltener an Gestationsdiabetes, waren schlanker und ernährten sich gesünder.

Rechnet man diese Faktoren heraus, ergibt sich dennoch eine klare protektive Wirkung von Stillen auf die Entwicklung eines Diabetes. Frauen, die bis zu einem halben Jahr lang gestillt hatten erkrankten in den darauffolgenden 25 Jahren zu 25 Prozent seltener an Diabetes. Bei Frauen, die zwischen einem halben und einem Jahr oder sogar länger ihren Kindern die Brust gegeben hatten, reduzierte sich das Risiko um ganze 48 Prozent.

Nach Beendigung der Schwangerschaft und beim Beginn der Stillperiode stellt sich der mütterliche Stoffwechsel um. Während der Schwangerschaft sind Glukose und Triglyzeride bei der Frau erhöht, um auch das Kind gut zu versorgen. Dies wird unter anderem durch eine Insulinresistenz ermöglicht. Nach der Entbindung brauchen die Brustdrüsen der Stillenden rund 50 Gramm Glukose am Tag. Jetzt sinken die Glukose- und Triglyzeridwerte rasch. Auch das Gewicht von stillenden Frauen normalisiert sich rascher als bei Frauen, die Fläschchen mit Säuglingsnahrung geben. Zudem unterstützt Prolaktin wahrscheinlich die Proliferation von Betazellen im Pankreas.