Stillen schützt jüngere Mutter jahrzehntelang vor Diabetes


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Für Frauen in der Postmenopause gab es aus früheren epidemiologischen Studien Hinweise auf ein gering bis moderat reduziertes Diabetesrisiko, wenn sie gestillt hatten. Nun liegen prospektiv erhobene Langzeitdaten für einen Zeitraum von 30 Jahren bei jüngeren Frauen vor. Andere relevante Einflüsse außer Stillen konnten in dieser Analyse berücksichtigt werden.

Kernbotschaften

Stillen senkt bei Frauen im Zeitraum von 30 Jahren nach der Geburt des Kindes das Diabetesrisiko, es ist ein von anderen Variablen wie Lebensstil oder Körpergewicht unabhängiger Schutzfaktor.

Hauptergebnisse

1.128 Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren (Durchschnitt: 24,2 Jahre) wurden in die Analyse eingeschlossen. Sie hatten nach Erhebung der Baselinewerte in den Jahren 1985 bis 1986 Kinder bekommen und vor der Schwangerschaft keinen Diabetes.

Die Diabetes-Inzidenz für die Gesamtgruppe lag bei 6,6 Fällen pro 1.000 Personenjahre. Bei Frauen mit Gestationsdiabetes betrug die Rate 18.0 pro 1.000 Personenjahre, bei Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes 5,1 pro 1.000 Personenjahre.

Wurden alle relevanten Einflussfaktoren berücksichtigt, ergab sich für Stillen bis zu 6 Monaten eine Reduktion des relativen Diabetesrisikos um 25 %, bei 6 bis 12 Monaten Stillen eine Risikoreduktion um 48 %. In der Gruppe, die länger als 12 Monate stillte, verminderte sich das Risiko nicht weiter: Die Reduktion betrug 47 %. Die Unterschiede waren im Vergleich mit Müttern, die nicht gestillt hatten, hoch signifikant (p = 0,01). Gestationsdiabetes oder die Anzahl der Schwangerschaften hatten keinen Einfluss auf den Schutzeffekt durch Stillen.

Design

  • Multizentrische prospektive Kohortenstudie
  • Datenbasis: Coronary Artery Risk Development Cohort Study in Young Adults (CARDIA)
  • Eingeschlossen: Frauen zwischen 18 und 30 Jahren mit einer oder mehreren Lebendgeburten; keine Resektion innerer Genitalien
  • Erhoben wurden: Body Mass Index, Blutglukose- und -fettwerte nüchtern, Blutdruck, Gestationsdiabetes, physische Aktivität, Medikamentengebrauch und Rauchen
  • Ermittelt wurden Werte und Informationen zu Studienbeginn und mindestens 7 weitere Male in den folgenden 30 Jahren

Klinische Bedeutung

Bekannt ist, dass Stillen den Stoffwechsel der Mutter rasch verändert: Glukose- und Triglyzerid-Konzentrationen im Blut sinken, die Insulinsekretion wird vermindert, Fettgewebe mobilisiert. Ob sich dadurch Schutzeffekte für Diabetes ergeben, die über Jahrzehnte anhalten, auch wenn sich der Lebensstil oder das Körpergewicht verändern, war bislang in prospektiven Studien nicht untersucht worden. Diese Lücke schließt die aktuelle Studie. Gynäkologen, Hebammen und Hausärzte sollten ihre Patientinnen auch über den positiven Effekt des Stillens auf das Diabetesrisiko informieren, um sie stärker zu motivieren. Stillen schützt auch das Kind: außer vor Typ-2-Diabetes vor Infektionskrankheiten und Asthma.

Finanzierung: öffentliche Mittel