STIKO: Pneumokokken-Impfung weiterhin nur bei besonders gefährdeten Menschen

  • Ute Eppinger
  • Epidemiologisches Bulletin

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles by Medscape
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Kernbotschaften

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut hält an ihrer Impfempfehlung gegen Pneumokokken fest und rät, sie während der SARS-CoV-2-Pandemie nicht auf weitere Gruppen auszudehnen. Eine Rolle dürfte dabei auch spielen, dass der Impfstoff Pneumovax® 23 nur eingeschränkt lieferbar ist. Koinfektionen mit Streptococcus pneumoniae bei COVID-19 Patienten seien sehr selten, teilt die STIKO in ihrer Stellungnahme dazu mit. Die wenigen beobachteten Fälle traten ganz überwiegend bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen auf.

Pneumokokken-Impfung für Risikogruppen

Wie bislang sollten daher nur Bevölkerungsgruppen gegen Pneumokokken geimpft werden, die ein besonders hohes Risiko für schwere Erkrankungen aufweisen. Dazu gehören Kinder in den ersten 2 Lebensjahren und ältere Menschen ab 60 Jahren. Auch Patienten, die an chronischen Krankheiten der Lunge oder des Herzens, an einem behandlungsbedürftigen Diabetes mellitus, an Immundefizienz oder an bestimmten neurologischen Krankheiten leiden, weisen ein erhöhtes Risiko auf. Sie profitieren vom Schutz.

Die STIKO empfiehlt Pneumokokken-Impfung für alle Säuglinge ab dem Alter von 2 Monaten, für alle Menschen ab dem Alter von 60 Jahren, und für Patienten, die an den genannten Erkrankungen leiden. Im Einzelfall könne eine Impfung auch für Personen, die nicht explizit in den Empfehlungen genannt sind, sinnvoll sein, heißt es weiter. Vor allem bei Erwachsenen scheint zudem wenig Interesse zu bestehen. Während in Deutschland bei Säuglingen und Kleinkindern bis 24 Monaten Impfquoten zwischen 58 und 76% erreicht werden, lassen sich nur 5 bis 28% der Senioren ohne chronische Leiden impfen. Bei Erwachsenen mit Grunderkrankungen sind es 10 bis 26%; dies reicht laut STIKO bei weitem noch nicht aus.

Pneumovax® 23 nur eingeschränkt verfügbar

Erschwerend kommt hinzu: Pneumovax® 23 ist der einzige Impfstoff gegen die häufigsten und gefährlichsten Typen von Pneumokokken. Der Polysaccharid-Impfstoff (PPSV) enthält charakteristische Hüllenbestandteile von 23 verschiedenen Pneumokokken-Varianten (PPSV23), daher sein Name. Wegen der erwünschten breiteren Abdeckung von Pneumokokken-Serotypen für Erwachsene kann Pneumovax® 23 nicht durch einen anderen niedriger valenten Pneumokokken-Impfstoff wie Prevenar® 13 ersetzt werden.

Bis auf Weiteres ist Pneumovax 23 aber nur eingeschränkt verfügbar. „Die Coronavirus-2-Pandemie hat zu einer erhöhten Nachfrage nach Pneumokokken-Impfstoffen geführt, so dass zur Zeit Lieferengpässe bestehen", hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bereits im März dieses Jahrs mitgeteilt: bezogen auf Pneumovax® 23, Prevenar® 13 war begrenzt verfügbar. Aus Japan eingeführte Pneumovax®-Dosen konnten im Frühjahr die Lücken teilweise schließen.

Nur ein Hersteller des 23-valenten Impfstoffs

Ein weiterer Grund für die Situation ist die Marktsituation. Der 23-valente Impfstoff wird ausschließlich von MSD (Merck Sharp & Dohme) angeboten. Zwar sind neben Pneumovax 23 noch der 13-valente Polysaccharid-Konjugatimpfstoff Prevenar® 13 und der 10-valente Impfstoff Synflorix® erhältlich. Doch beide Vakzine sollen laut STIKO eigentlich nur zur Grundimmunisierung von Säuglingen bis zu 2 Jahren eingesetzt werden, wobei der lieferbare, 13-valente Impfstoff aufgrund der Engpässe auch für Patienten mit erhöhter Gefährdung, etwa aufgrund einer Immunsuppression, empfohlen wird. MSD nennt als Hauptgrund für die anhaltenden Engpässe eine in den vergangenen Monaten geradezu explodierte Nachfrage, die auch aufgrund „aufmerksamkeitsstarker Empfehlungen zur Impfung im Rahmen der COVID-19 Pandemie” entstanden sei, so MSD-Sprecher Kay Rispeter im Gespräch mit dem Tagesspiegel Background Gesundheit & E-Health. Vor diesem Hintergrund weist die STIKO darauf hin, dass mit verfügbaren Impfstoffdosen vor allem Personen geimpft werden sollten, die ein erhöhtes Risiko für invasive Erkrankungen und damit verbundene Hospitalisierungen hätten.