Sterberisiko sinkt fast 40 Prozent bei nur 4 Minuten kräftiger Bewegung pro Tag

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Menschen, die keinen Sport treiben, sich aber täglich ca. 3-mal jeweils 1 oder 2 Minuten kräftig bewegen, haben ein stark reduziertes Mortalitätsrisiko. Dauerten diese Aktivitäten in der Summe etwa 4,5 Minuten, war die Gesamtsterblichkeit etwa um ein Viertel verringert.

Hintergrund

Zur Förderung der Gesundheit und insbesondere zur Senkung kardiovaskulärer Risiken empfehlen Fachgesellschaften ein erhebliches Maß an Bewegung. Mindestens 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche fordert beispielsweise die WHO – auch von Menschen mit Behinderungen. Die Empfehlungen beruhen zwar auf großen Assoziationsstudien, allerdings ist der Beitrag einzelner Bewegungsparameter wie Dauer, Intensität/Leistung oder Frequenz bislang nicht im Detail geklärt. Fitnessarmbänder und Sportuhren könnten zur Klärung dieser Fragen beitragen, und haben den Vorteil, dass sie über Sport- und Freizeitaktivitäten hinaus auch kräftige intermittierende physische Aktivitäten im Alltag („vigorous intermittent lifestyle physical activities“, VILPA) erfassen können.

Design

Die Studie stützt sich auf die Daten aus den tragbaren Akzelerometern von 25,241 Teilnehmern der UK Biobank (Frauenanteil 56,2 %). Sie waren durchschnittlich 61,8 Jahre alt, hatten angegeben, in ihrer Freizeit keine körperlichen Aktivitäten zu betreiben, und waren im Mittel 6,9 Jahre lang nachverfolgt worden. Erfasst wurde die Assoziation von VILPA mit der Gesamtsterblichkeit, sowie mit der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs.

Ergebnisse

  • Während der Nachverfolgungszeit ereigneten sich 852 Todesfälle.
  • Zwischen VILPA und allen 3 Outcomes fand sich eine inverse, nahezu lineare Assoziation: Beim Vergleich von Teilnehmern, deren VILPA-Werte dem Median entsprachen (täglich 3 kräftige Betätigungen mit jeweils 1 oder 2 Minuten Dauer) mit solchen ohne VILPA, war die Gesamt- und Krebssterblichkeit um 38 – 40 % reduziert. Die Herz-Kreislaufsterblichkeit war um 48 – 49 % reduziert.
  • Die mediane Dauer der VILPA unter den Teilnehmern betrug 4,4 Minuten täglich und war mit einer Reduktion der Gesamt- und Krebssterblichkeit von 26 – 30 % assoziiert, und mit einer Reduktion von 32 – 34 % bei der Herz-Kreislaufmortalität.
  • Die Forscher wiederholten ihre Analyse mit 62344 Teilnehmern der UK-Biobank, die Sport trieben, und kamen dabei zu ähnlichen Ergebnissen.

Klinische Bedeutung

Die Autoren vermeiden es, von einer Kausalität zu sprechen. Möglich wäre auch, dass Menschen, die zu kurzen, aber heftigen, Aktivitäten neigen, fitter sind. Dennoch wird darauf verwiesen, dass derartige Aktivitäten bei Sporttreibenden und Bewegungsmuffeln ähnliche Effekte auslösen würden. „Dies legt nahe, dass VILPA ein geeignetes Zielkriterium für körperliche Aktivitäten ist – insbesondere bei Menschen, die keine sportlichen Übungen machen können oder wollen.“

Finanzierung: Keine Angaben.