Steigende Überlebenschancen für schwer verletzte US-Soldaten

  • JAMA Surgery

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Auswertung von Daten des US-Verteidigungsministeriums zeigt, dass für verletzte Soldaten von allem 3 Maßnahmen lebensrettend sein können: das Abbinden großer Blutungen mit einem Tourniquet, sofortige Bluttransfusionen und schnellstmöglicher Transport in das nächste Militärhospital.

Hintergrund

Im Vergleich zu früheren Militäreinsätzen ist der Anteil von Verletzten und Toten unter US-Soldaten in Afghanistan und dem Irak niedrig. Allerdings gibt es auch nach 16 Jahren Krieg noch keine umfassende Bewertung zur Versorgung der Opfer und der Wirksamkeit verschiedener Interventionen.

Design

Retrospektive Analyse von Verwaltungsdaten des US-Verteidigungsministeriums zu allen 56.763 Kriegsverletzungen und Todesfällen, die US-Militärs im Kampfeinsatz in Afghanistan und dem Irak zwischen dem Jahr 2001 und 2017 erlitten haben. Insbesondere wurden der Einsatz von Tourniquet-Abbindessystemen, Bluttransfusionen und Transportzeiten bis zur chirurgischen Versorgung berücksichtigt, und deren Einfluss auf die Mortalität abgeschätzt. Zielparameter waren der Überlebensstatus (lebend, im Kampf gestorben, an Verwundungen gestorben) und die Letalitätsrate.

Ergebnisse

  • Im Verlauf der beiden Kriege hat sich die Letalitätsrate mehr als halbiert: In Afghanistan von 20,0 auf 8,6 %, und im Irak von 20,4 auf 10,1 %.
  • Die Überlebensrate bei schweren Verletzungen (Injury Severity Score 25 – 75) verbesserte sich von 2,2 auf 39,9 % in Afghanistan und von 8,9 auf 32,9 % im Irak.
  • Aus Simulationen anhand von 23.699 Verletzungen errechnen die Autoren, dass die Letalität ohne sämtliche erfassten Interventionen in Afghanistan bei 15,6 statt 8,6 % gelegen hätte; und im Irak bei 16,3 statt 10,1 %. Dies entspräche 3.672 geretteten Menschenleben.
  • 1.623 gerettete Menschenleben (44,2 %) entfielen dabei auf die 3 näher untersuchten Interventionsmaßnahmen:
    • Tourniquets 474 (12,9 %)
    • Bluttransfusionen 873 (23,8 %) und
    • Transportzeit unter 1 Stunde 275 (7,5 %)

 

Klinische Bedeutung

In der Studie finden sich „lebensrettende Lektionen aus dem Kampfgebiet“, kommentieren Brian Gavitt und Timothy A. Pritts (University of Cincinnati). Die bestätigen zwar im Wesentlichen die Erfahrung von Schlachtfeldern bis zurück zum Persischen Krieg, wo erstmals über Tourniquets berichtet wurde. Von einem konsequenten Qualitätsmanagement und wissenschaftlich gesicherten Prioritäten beim Zivilschutz und bei Notärzten könnten indes auch zivile Trauma-Opfern profitieren.

Finanzierung: Keine Angaben.