Statine zur Primärprävention: Nutzen bei über 75-Jährigen weiterhin unsicher


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Statine können bei Menschen unterschiedlicher Altersgruppen vaskulären Komplikationen vorbeugen. Dies gilt auch bei über 75-Jährigen mit kardiovaskulären Erkrankungen (Sekundärprävention). Weniger klar ist weiterhin, ob ältere Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankung (Primärprävention) von den Lipidsenkern profitieren.

Hintergrund

Der Anteil von über 75-jährigen an den Gesamtbevölkerungen von wohlhabenden Ländern wird nach Berechnungen von Epidemiologen in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen. Da Alter ein kardiovaskulärer Risikofaktor ist, stellt sich unter anderen die Frage, ob auch über 75-jährige Menschen nicht nur von einer Sekundärprävention, was belegt ist, sondern auch von einer Primärprävention mit Statinen profitieren. Über den Nutzen von Statinen in der Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen wird seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. Die meisten Leitlinien empfehlen eine Statin-Therapie ab einem zuvor definierten Zehn-Jahres-Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Viele medizinische Leitlinien raten, ab einem Risiko von 10% mit der Einnahme von Statinen zu beginnen. Den US-amerikanischen-Empfehlungen zufolge kann eine Statin-Therapie allerdings schon bei einem Risiko von 7,5 Prozent erwogen werden. Diese Risiko-Schwelle überschreiten alte Menschen oft allein aufgrund ihres Alters.

Design

Metaanalyse von 28 randomisierten und kontrollierten Studien mit 186.854 Patienten, von denen 14.483 (8%) über 75 Jahre alt waren. Die Studien-Teilnehmer wurden in sechs Altersgruppen von 55 bis über 75 Jahre eingeteilt. Die mediane Beobachtungszeit betrug knapp fünf Jahre.

Hauptergebnisse

  • Eine Statin-Therapie ging mit einer Reduktion der Rate schwerer vaskulärer Ereignisse um 21 Prozent pro Reduktion des LDL-C-Wertes um 1 mmol/l einher.
  • Eine signifikante Reduktion schwerer vaskulärer Ereignisse wurde in allen Altersgruppen beobachtet; allerdings wurde diese Reduktion mit dem Alter etwas schwächer.
  • Bei den über 75-Jährigen betrug die Reduktion schwerer vaskulärer Ereignisse 13 Prozent (RR 0,87, 95%-Konfidenzintervall 0,77-0,99); noch geringer war die Risikoreduktion bei den Teilnehmern dieser Altersgruppe in der Primärprävention: Hier betrug sie nur acht Prozent (RR 0,92, 95%-KI 0,73-1,16).
  • Insgesamt nahmen schwere koronare Ereignisse unter einer Statin-Therapie um 24 Prozent pro Reduktion des LDL-C-Wertes um 1 mmol/l ab. Auch hier gab es einen Trend zu einer mit dem Alter schwächer werdenden Abnahme. 
  • Bei der Rate der koronaren Revaskularisierungen betrug die prozentuale Reduktion 25 Prozent (pro LDL-C-Abnahme um 1 mmol/l). 
  • Ein Effekt bei der nicht-vaskulären Mortalität sowie der Krebs-Mortalität- und Inzidenz wurde nicht beobachtet. 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der Metaanalyse sprechen wie viele frühere Untersuchungen für den kardiovaskulären Nutzen der Statine in der Sekundärprävention - und zwar unabhängig vom Alter der Patienten. Weniger klar bleibt hingegen, ob auch über 75-Jährige ohne bekannte kardiovaskuläre Erkrankung von den Lipidsenkern profitieren, der mögliche Nutzen also mögliche Schäden übersteigt. In der vorliegenden Metaanalyse wurde kein statistisch signifikanter Nutzen festgestellt. Dies könne nach Ansicht der Autoren allerdings daran gelegen haben, dass in dieser Studien-Population zu wenige vaskuläre Ereignisse aufgetreten seien. Angesichts der insgesamt positiven Daten zu den Statinen in der Primärprävention sei anzunehmen, dass auch alte Patienten in der Primärprävention von den Lipidsenkern profitierten, mutmaßen die Autoren.

Klinische Finanzierung: Australian National Health and Medical Research Council, National Institute for Health Research Oxford Biomedical Research Centre, UK Medical Research Council, British Heart Foundation.