Statine zur Primärprävention: großzügige Indikationsstellung besser als strenge?


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Mit dem Anteil der Personen, die zur Primärprävention ein Statin erhalten, könnte den Berechnungen zufolge der Prozentsatz der durch die Lipidsenker verhinderten kardiovaskulären Ereignisse steigen. 

Hauptergebnisse

Berechnet wurde der Anteil der Personen, die gemäß der jeweiligen Leitlinie ein Statin bekämen (erster Prozentwert), und der Prozentsatz der kardiovaskulären Ereignisse, die möglicherweise durch eine zehnjährige Statin-Therapie verhindert würden (zweiter Prozent-Wert). Hier die ermittelten Werte: 

  • CCS-Leitlinie: 44 % und 34 %
  • ACC/AHA-Leitlinie: 42 % und 34 %
  • NICE-Leitlinie: 40 % und 32 %
  • USPSTF-Leitlinie: 31 % und 27 %
  • ESC/EAS-Leitlinie: 15 % und 13 %

Design

Beobachtungsstudie zu kardiovaskulären Ereignissen bei 45 750 Personen im Alter von 40 bis 75 Jahren, die zu Beginn der zehnjährigen Beobachtungsphase weder Statine einnahmen noch eine atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung hatten. Ausgehend von dieser Population und fünf aktuellen unterschiedlichen Leitlinien zur Primärprävention einer kardiovaskulären Erkrankung mit Statinen wurde eine Modellrechnung erstellt; berechnet wurde, wie viele Patienten je nach Leitlinie ein Statin verordnet bekämen und wie viele kardiovaskuläre Ereignisse durch eine Statin-Therapie verhindert würden. Bei den berücksichtigten Leitlinien handelte es sich um die Leitlinie 

  • des American College of Cardiology und der American Heart Association (ACC/AHA; 2013)
  • des National Institute for Health and Care Excellence (NICE; 2014)
  • der Canadian Cardiovascular Society (CCS; 2016)
  • der U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF; 2016) und 
  • der European Society of Cardiology/European Atherosclerosis Society (ESC/EAS; 2016.)

Finanzierung der Studie: Universitätskrankenhaus Kopenhagen

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt, dass mit einer „Liberalisierung“ der Statin-Therapie in der Primärprävention mehr kardiovaskuläre Erkrankungen verhindert werden könnten als mit einer rigideren Indikationsstellung. Ginge man von einer geringen Rate klinisch relevanter Nebenwirkungen und niedrigen Kosten der Statine aus, könnte eine „liberale“ Indikationsstellung als sinnvoll bezeichnet werden. Die Aussagekraft der Analyse hat allerdings Grenzen, wie die Autoren selbst betonen. So wurde zum Beispiel nur eine ethnisch homogene Population für die Modell-Berechnungen herangezogen.