Statine zur Primärprävention bei alten Menschen: aktuelle Daten sprechen nicht dafür


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Alte Menschen, die zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse Statine einnehmen, schneiden möglicherweise nicht besser ab als Patienten ohne diese Lipidsenker. Die Datenlage dazu ist allerdings nicht homogen. 

Hauptergebnisse

Zwischen Patienten mit Statin-Therapie und ohne gab es bei der primären Ereignisrate keinen statistisch signifikanten Unterschied (6,4% mit Statinen versus 7,8 % ohne Statine). Wurde die Altersgrenze auf mindestens 65 Jahre herabgesetzt, blieb dieses Ergebnis im Wesentlichen unverändert. 

Design

Von insgesamt 9361 Patienten der Bluthochdruck-Studie SPRINT waren 3054 mindestens 70 Jahre alt; 1334 von ihnen nahmen zu Beginn Statine und konnten bei der Sekundäranalyse berücksichtigt werden. Patienten, die diese Lipidsenker einnahmen, hatten im Vergleich zu jenen ohne Statin-Therapie (n = 1685) ein etwas geringeres kardiovaskuläres Risiko (Framingham-Risiko-Score: 22,3 % versus 25,1%), waren häufiger Männer, hatten einen höheren BMI und häufiger eine chronische Nierenerkrankung (44,1 % versus 36,0%)

Finanzierung: keine Angaben zu dieser Subanalyse, die Studie SPRINT wurde von den „National Institutes of Health" in den USA finanziert. 

Klinische Bedeutung

Das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Statine zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse wird seit vielen Jahren diskutiert, insbesondere wenn es um alte Patienten geht. Erst kürzlich ergab eine Studie , dass alte Patienten mit moderater Hyperlipidämie und Bluthochdruck, die eine Statin-Therapie beginnen, nicht davon profitieren. Allerdings waren Patienten, die bereits vor Studien-Beginn Statine einnahmen, von dieser Studie ausgeschlossen.

Die aktuelle Analyse zeigt nun allerdings, dass auch alte Patienten, die schon länger Statine zur Primärprävention erhalten, nicht davon profitieren. Sie stützt demnach bestehende Zweifel an dieser Therapie bei alten Patienten. Dieses aktuelle Ergebnis steht jedoch in einem Gegensatz zu anderen Primärpräventions-Studien ( JUPITER und HOPE-3 ).

Die Aussagekraft der aktuellen Analyse ist außerdem eingeschränkt, da die Patienten nicht nach dem Zufalls-Prinzip auf die Vergleichs-Gruppen (Statin versus Nicht-Statin) verteilt waren. Außerdem handelt es sich um eine Sekundäranalyse, für die die Hauptstudie nach Angaben der Autoren methodisch nicht angelegt war.