Statine, Kalziumblocker und Biguanide mit besserem Outcome bei Psychiatrie-Patienten assoziiert


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Drei häufige, preiswerte und vergleichsweise sichere Arzneimittelklassen senken womöglich das Risiko für Psychiatrie-Patienten, in eine Klinik eingewiesen zu werden oder sich selbst zu verletzen: Statine, Kalziumkanalblocker und Biguanide.

Hintergrund

Eine Alternative zur Entwicklung neuer Medikamente ist das sogenannte „drug repurposing“, bei dem bereits existente und zugelassene Arzneien mit bekanntem Sicherheitsprofil auf ihre mögliche Eignung in neuen Indikationen getestet werden. Hinweise darauf kann die Auswertung großer Datensätze liefern, um Assoziationen zwischen dem Gebrauch bestimmter Medikamentenklassen und klinischen Endpunkten aufzuzeigen – wie in diesem Fall der Einweisung in eine psychiatrische Klinik.

Design

Kohortenstudie mit 142.691 Individuen aus der gesamten Bevölkerung Schwedens über 14 Jahren, die mit einer schweren psychiatrischen Erkrankung diagnostiziert wurden und zwischen den Jahren 2005 und 2016 psychiatrische Arzneien erhalten hatten. Gegenübergestellt wurde die Behandlung mit Statinen, Kalziumkanalblockern und Biguaniden einerseits und Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen bzw. wegen Selbstverletzungen andererseits.

Hauptergebnisse

Die Einnahme aller drei Arzneimittelgruppen waren mit niedrigeren Ereignisraten assoziiert, und zwar mit folgenden adjustierten Chancenverhältnissen (aHR):

  • Statine: Psychiatrieeinweisungen wg. Bipolarer Krankheit aHR 0,86; Schizophrenie aHR 0,75; nicht-affektive Psychosen aHR 0,80. Außerdem weniger Selbstverletzungen bei Bipolarer Krankheit aHR 0,76 und Schizophrenie aHR 0,58 (P jeweils
  • L-Typ Kalziumkanalantagonisten: Signifikant seltenere Psychiatrieeinweisungen wegen Bipolarität (aHR 0,92), Schizophrenie (aHR 0,80), und nicht-affektiven Psychosen (aHR 0,89). Für Selbstverletzungen wurden bei diesen Erkrankungen ahRs von 0,81; 0,30 bzw. 0,56 ermittelt.
  • Biguanide: Signifikant weniger Psychiatrieeinweisungen für Patienten mit Bipolarer Erkrankung, Schizophrenie und nicht-affektiven Psychosen (aHR 0,80; 0,73 und 0,85); sowie weniger Selbstverletzungen unter bipolaren Patienten und solchen mit Schizophrenie (ahR 0,73 bzw. 0,64).

Klinische Bedeutung

Möglicherweise verbessert die Exposition gegenüber Statinen, Kalziumblockern und Biguaniden die Chancen schwer psychisch kranker Menschen auf einen besseren Verlauf. Die Studienautoren um Joseph Hayes vom University College London verweisen darauf, dass die genannten Medikamentenklassen weltweit verfügbar, billig und relativ sicher sind und daher ideale Kandidaten für ein „Repurposing“ wären.

Finanzierung: Wellcome Trust, National Institute for Health Research Biomedical Research Centre, Schwedischer Forschungsrat (Vetenskapsrådet).