Statine erhöhen den Lp(a)-Wert

  • European Heart Journal

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Statine erhöhen den Lp(a)-Spiegel.  Eine Kontrolle des Lp(a)-Spiegels bei Statin-Therapie könnte sinnvoll sein, zumal erhöhte Lp(a)-Werte auch bei stark erniedrigten Cholesterin-Werten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehen sollen.

Hintergrund

Erhöhte Lipoprotein(a)-Werte gelten mehreren Studien zufolge als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Erst kürzlich hat eine im „Lancet“ publizierte Metaanalyse gezeigt, dass erhöhte Lp(a)-Werte bei Patienten vor und unter Statin-Therapie mit einem erhöhten kardiovaskuären Risiko verbunden sind; der Zusammenhang ist dieser Studie zufolge fast linear und auch dann vorhanden, wenn die Patienten einen LDL-C-Wert von unter 50 mg/dl haben und Statine oder PCSK9-Hemmer erhalten. Darüber hinaus gilt dies vermutlich für mehrere Subgruppen. In der aktuellen Studie haben die Autoren untersucht, ob Statine den Lp(a)-Spiegel erhöhen.

Design

Metaanalyse von sechs randomisierten Studien (je drei Statin versus Placebo und Statin versus Statin) mit 5256 Patienten, 1371 mit einem Placebo, 3885 mit einem Statin (Atorvastatin 10 und 80 mg/Tag, Pravastatin 40 mg, Rosuvastatin 40 mg und Pitavastatin 2 mg). 

Hauptergebnisse 

  • Bei knapp 53 Prozent der Patienten (720/1371) mit Placebo nahm der Lp(a)-Wert ab. Bei den 3885 Patienten mit Statinen waren es 1506 (38,8%). In der Placebo-Gruppe stieg der Lp(a)-Spiegel bei 651 Patienten (47,5%), in der Statin-Gruppe bei 2379 (61,2%). 
  • Die mittlere prozentuale Zunahme des Lp(a)-Wertes betrug in der Statin-Gruppe 8,5 bis 19,6 Prozent. In der Placebo-Gruppe sank der Wert um 0,4 bis 2,3 Prozent.
  • Die Auswertung der Studien zum Vergleich von zwei unterschiedlichen Statinen ergab eine Zunahme des Lp(a)-Wertes unter Pravastatin um 11,6 bis 20,4 Prozent, in der Atorvastatin-Gruppe um 18,7 bis 24,2 Prozent. 
  • Die Wirkung von Statinen auf den Lp(a)-Wert wurde zudem in Zell-Kultur-Experimenten bestätigt (Anstieg der mRNA für Lp(a) und der Apolipoprotein-a-Produktion).

Klinische Bedeutung

Die Studie spricht dafür, in weiteren Untersuchungen zu klären, welche Bedeutung die Statin-induzierte Lp(a)-Zunahme für das kardiovaskuläre Risiko hat. Die Studie spricht zudem für ein gesondertes Lp(a)-Monitoring bei Patienten mit Statin-Therapie. Denn die im „Lancet“ publizierte Metaanalyse hat auch gezeigt, dass Patienten mit erhöhten Lp(a)-Werten weniger von Statinen profitieren. Eine gesonderte Kontrolle des Lp(a)-Spiegels scheint auch deswegen sinnvoll zu sein, weil erhöhte Werte selbst bei starker LDL-C-Senkung durch PCSK-9-Hemmer mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehen. Eine relevante Frage ist, ob eine Reduktion des Lp(a)-Wertes die kardiovaskuläre Prognose bessert. Möglich wäre eine Lp(a)-Reduktion mit einem Antisense-Oligonukleotid, das gegen die Messenger-RNA des LPA-Gens gerichtet ist.

Finanzierung: Foundation Leducq