Starkes Übergewicht im mittleren Alter ist für Frauen ein Risikofaktor für eine späte Demenz

  • Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Langzeitdaten aus der britischen „Million Women Study“ belegen ein moderat erhöhtes Demenzrisiko für Frauen, die im mittleren Lebensabschnitt stark übergewichtig sind.

Hintergrund

Mögliche Zusammenhänge zwischen Bewegungsmangel, Essverhalten und Gewicht im mittleren Alter mit einer Demenz-Erkrankung im höheren Alter sind nur schwer zu eruieren. Die meisten Studien dazu haben nur eine kurze Nachverfolgungszeit. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit für Verzerrungen, da die genannten Parameter auch Folgen einer beginnenden Demenz sein könnten. Anders ist dies in der vorliegenden Analyse, die auf Daten der „Million Women Study“ beruht, die in England und Schottland bereits 1996 begonnen wurde.

Design

Basisdaten, die für 1.136.846 Frauen erhoben wurden, waren der Body-Mass-Index (BMI), das Ausmaß der körperlichen Bewegung, sowie für 610.069 Frauen das Essverhalten im mittleren Lebensabschnitt. Zum Zeitpunkt der Erhebung (1996 – 2001) waren diese Frauen durchschnittlich 56 Jahre alt, die Nachverfolgung erfolgte durchschnittlich 18 Jahre lang anhand der Verlinkung von Daten des britischen Nationalen Gesundheitssystems (NHS) mit Klinikaufnahmen, bei denen eine Demenz erwähnt wurde.

Ergebnisse

  • 15 Jahre nach der ursprünglichen Befragung waren noch 99 % der Frauen in der Nachverfolgung erfasst, und 12.262 Klinikaufnahmen mit der Diagnose „Demenz“ registriert worden.
  • 89 % der Frauen waren zu diesem Zeitpunkt noch am Leben und zeigten keine Anzeichen einer Demenz.
  • Bei 18.695 Frauen wurde danach – im mittleren Alter von 77 Jahren – eine Demenzerkrankung entdeckt. Die weitere Auswertung beschränkte sich auf diese Population, die - abgesehen vom höheren Alter – in ihren Eigenschaften nicht wesentlich verschieden war von denen der gesamten Kohorte zu Beginn der Untersuchung.
  • Das Risiko, nach mindestens 15 Jahren an einer Demenz zu erkranken, war signifikant erhöht bei adipösen Studienteilnehmerinnen (BMI 30+). Das Chancenverhältnis hierfür betrug im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen (BMI 20 – 24) 1,21, bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,16 – 1,26 (p
  • Keinen eindeutigen Zusammenhang gab es mit einem niedrigen BMI, mit niedriger Kalorieneinnahme oder mit körperlicher Inaktivität (selten, niemals, oder weniger als 1 x / Woche) bei der ersten Befragung. Diese 3 Faktoren waren zwar in der ersten Dekade der Nachverfolgung mit einer erhöhten Demenzrate verbunden, jedoch wurden diese Assoziationen im Laufe der Zeit immer schwächer, bis sie nach 15 Jahren gegen Null tendierten.

Klinische Bedeutung

Größe und Design dieser Studie sowie die hohe statistische Signifikant des Hauptbefundes führen zu der Schlussfolgerung, dass Adipositas im mittleren Alter ein signifikantes Risiko für die Entstehung einer Demenz ist, körperliche Inaktivität und schlechte Ernährung überraschenderweise aber nicht. „Kurzfristige Assoziationen (die in einigen früheren Studien gefunden wurden) reflektieren wahrscheinlich Verhaltensänderungen … infolge früher Demenzsymptome“, erläuterte die Erstautorin Dr. Sarah Floud des Nuffield Department of Population Health an der Universität Oxford.

Finanzierung: UK Medical Research Council, Cancer Research UK.