Starke Reduktion der Schubrate bei Multipler Sklerose nach B-Zell-Depletion mit Ublituximab

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Der neuartige, B-Zell-depletierende monoklonale Antikörper Ublituximab hat in zwei identischen Studien der Phase 3 bei ca. 1000 Patienten mit relapsierend-remittierender Multipler Sklerose die Schubraten im Vergleich zu Teriflunomid annähernd halbiert. Die Zunahme der Behinderungen nach 12 Wochen war jedoch nicht signifikant verringert, und die Zahl schwerer Infektionen war fast doppelt so hoch.

Hintergrund

Die Depletion von B-Zellen hat sich bei der schubförmigen Multiplen Sklerose als wirksame Strategie erwiesen. Nach den bereits zugelassenen Präparaten Ocrelizumab und Ofatumumab ist mit Ublituximab nun ein weiterer Antikörper in der klinischen Entwicklung. Er soll durch gezielte Veränderungen der Glykosylierung zusätzlich zur Aktivierung natürlicher Killerzellen führen.

Design

ULTIMATE I und ULTIMATE II waren zwei identische doppel-blinde Studien der Phase 3 mit zusammen 1094 Patienten, die an relapsierend-remittierender Multipler Sklerose litten und zwischen 18 und 55 Jahre alt waren. Diese Patienten wurden randomisiert auf intravenöse Gaben von Ublituximab (150 mg an Tag 1, 450 mg an Tag 15 und in Woche 24, 48 und 72) plus orales Placebo, sowie Teriflunomid (14 mg alle 14 Tage) plus intravenöses Placebo. Primäres Studienziel war die jährliche Schubrate, sekundär wurde die Zahl der Gadolinium-anreichernden Läsionen nach 96 Wochen berücksichtigt, außerdem  die Progression der Behinderung.

Ergebnisse

  • Die annualisierten Schubraten betrugen in den beiden Studien unter Ublituximab 0,08 / 0,09, und mit Teriflunomid 0,18 / 0,18. Das Ratenverhältnis war 0,41 bzw. 0,51; die Überlegenheit von Ublituximab war in beiden Studien signifikant (P < 0,001 und P = 0,002).
  • Die durchschnittliche Zahl der Gadolinium-anreichernden Läsionen betrug 0,02 / 0,01 gegenüber 0,49 / 0,25. Hieraus ergeben sich Ratenverhältnisse von 0,03 bzw. 0,04 zugunsten von Ublituximab (P jeweils < 0,001).
  • In der gepoolten Auswertung der beiden Studien hatte sich nach 12 Wochen die Behinderung bei 5,2 % der Patienten unter Ublituximab verschlechtert. Die war kein signifikanter Unterschied zu Teriflunomid (5,9 %; P = 0,51).
  • Reaktionen an der Infusionsstelle zeigten 47,7 % der Empfänger von Ublituximab. Zudem war die Häufigkeit schwerer Infektionen in dieser Gruppe mit 5,0 % annähernd doppelt so hoch wie mit Teriflunomid (2,9 %).

Klinische Bedeutung

Einer Halbierung der Schubrate und der drastischen Reduktion der Läsionen  steht ein fast doppelt so hohes Risiko schwerer Infektionen gegenüber. „Längere und größere Studien sind nötig“, schreiben die Autoren, darunter auch Vergleiche mit anderen Anti-B-Zell monoklonalen Antikörpern.

Finanzierung: TG Therapeutics.