Staphylococcus-Prophylaxe bei Neugeborenen: Dekolonisation der Eltern ist einfach und sehr effektiv

  • JAMA

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die Eltern von Neugeborenen, die kurzzeitig auf einer Intensivstation behandelt werden, sollten regelmäßig auf Staphylococcus aureus gescreent werden. Bei positivem Befund im Nasalabstrich kann eine Dekolonisation erwogen werden. Mupirocin Nasensalbe zur Dekolonisation und Chlorhexidin-imprägnierte Kleidung der Eltern sind eine sehr wirksame Prophylaxe für das Kind.

Hintergrund
Infektionen mit Staphylococcus aureus (S. aureus) sind eine der häufigsten nosokomialen Infektionen auf Intensivstationen. Das Risiko für Neugeborene, dadurch eine Bakteriämie oder Meningitis zu entwickeln, ist hoch. Die infektionsassoziierte Mortalität liegt zwischen 10 und 25 %. In einer prospektiv randomisierten, placebokontrollierten Studie haben Forscher von großen intensivmedizinischen Abteilungen (ICU) einer Neonatalogie-Station die Frage untersucht, ob eine Dekolonisation der Eltern das Infektionsrisiko reduziert.

Design

  • Studientyp: prospektiv randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert
  • Teilnehmer: 208 Neugeborene, die intensivmedizinisch versorgt wurden, und deren Eltern
  • Einschlusskriterien: Neugeborene S. aureus-negativ und Eltern S. aureus-positiv im Nasenabstrich
  • Studientherapie (Eltern):
    • Mupirocin Nasensalbe 2 x täglich und Tragen Chlorhexidin-imprägnierter Kleidung beim Besuch des Kindes (Intervention) oder
    • Scheinpräparat als Nasensalbe und Kleidung mit Normalwaschmittel gewaschen (Placebo), jeweils für die ersten 5 Tage postnatal
  • Primärer Endpunkt: Inzidenz der S. aureus-Infektion der Kinder mit demselben Bakterienstamm, mit dem die Eltern infiziert waren, am Tag 90 nach der Geburt

Hauptergebnisse

Von 190 Neugeborenen und ihren Eltern waren Studientherapie und Daten vollständig. 38,9 % der Kinder waren zu Tag 90 mit S. aureus infiziert. Zu 56,8 % waren die Bakterienstämme identisch mit denen der Eltern zu Studienbeginn. Das Risiko für eine Infektion der Kinder sank durch die Dekolonisation der Eltern um 57 % (Hazard Ratio: 0,43; 14,6 % Infektionen in der Interventionsgruppe vs. 28,7 % Infektionen unter Placebo). Über alle unterschiedlichen Bakterienstämme hinweg betrug die Infektionsrate der Neugeborenen 31,4 % in der Interventionsgruppe und 45,5 % in der Kontrollgruppe.

Klinische Bedeutung
Aus Sicht der Autoren sind die Befunde der Studie eindeutig: Eine S. aureus-Dekolonisation der Eltern von Kindern, die auf einer Intensivstation behandelt werden, senkt das Risiko für eine Infektion des Kindes. Allerdings sollten die Ergebnisse durch weitere Studien bestätigt werden, so die Autoren. Dennoch sei das Vorgehen eine Option bei positivem bakteriellen Befund der Eltern, denn es ist einfach: Mit einem Wattestäbchen 2 x täglich eine Streichholzkopf-große Menge der Nasensalbe in jedes Nasenloch einbringen, Nase zusammendrücken und Salbe zwischen Daumen und Zeigefinger einmassieren.

Finanzierung: öffentliche Mittel