Sprech- und Sprachtherapie aus dem Computer – Eine Konkurrenz für Logopäden?

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Der Versuch, Aphasiker nach einem Schlaganfall mittels eines „computerisierten“ Trainingsprogrammes zu helfen, war nur teilweise erfolgreich. Über 6 Monate verbesserte sich zwar die Wortfindungsfähigkeit, nicht aber die Konversationsfähigkeit.

Hintergrund

Menschen, die infolge eines Schlaganfalls eine Aphasie erleiden, verbessern sich durch eine Sprach- Sprech- und/oder Stimmtherapie mitunter über einen Zeitraum von vielen Jahren. Solch spezialisierten Therapien sind jedoch vielerorts nur über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum verfügbar, bzw. werden sie von den Krankenkassen nur in begrenztem Maße erstattet. Hier wurde überprüft, inwiefern mit einer „computerisierten“ Sprech- und Sprachtherapie (CSLT) mehr Patienten erreicht werden könnten.

Design

Pragmatische, dreiarmige, randomisierte und für die Auswertenden verblindete Studie mit 278 erwachsenen Patienten, die in 21, auf Sprachtherapie spezialisierten Einrichtungen Großbritanniens rekrutiert wurden. Bei ihnen allen war nach einem Schlaganfall und mindestens 4 Monate vor der Randomisierung eine Aphasie diagnostiziert worden. Für jeweils 6 Monate erhielt die Kontrollgruppe die für Aphasiker übliche Betreuung, zusätzlich eine CSLT mit täglichen Wortfindungsübungen am Computer daheim, oder – eine weitere Kontrollgruppe – Aufmerksamkeitsübungen wie Sudoku mit einmal monatlicher Telefon-Unterstützung durch das Forschungsteam. Die primären Studienziele waren die Fähigkeit, persönlich relevante Worte aufgrund von Bildern zu benennen (ein Unterschied von 10 % wurde vorab als klinisch relevant definiert), sowie die anhand von verblindeten Videoaufzeichungen bewertete Veränderung der Kommunikationsfähigkeit nach 6 Monaten.

Ergebnisse

  • Die Wortfindungsfähigkeit verbesserte sich in der ersten Kontrollgruppe um 1,1 %, mit CSLT um 16,4 %, und in der zweiten Kontrollgruppe um 2,4 %. Die Differenz zwischen CSLT und der ersten Kontrollgruppe war mit einem p
  • Die Konversationsfähigkeit verbesserte sich durch die Intervention nicht. Die mittleren Veränderung der Therapy Outcome Measures waren 0,05 in der ersten Kontrollgruppe, 0,04 in der Interventionsgruppe, und 0,10 in der Aufmerksamkeits-Kontrollgruppe. Als klinisch bedeutsam war vorab allerdings eine Änderung um mindestens 0,45 definiert worden.

Klinische Bedeutung

Die Wortfindung hat sich mit der computerisierten Betreuung der Aphasie-Patienten verbessert, deren Kommunikationsfähigkeit allerdings nicht. Damit scheint die Methode noch nicht reif für die Praxis und es wird weitere Studien erfordern, um auch die Konversationsfähigkeit der per Internet betreuten Patienten zu verbessern.

Finanzierung: National Institute for Health Research, Tavistock Trust for Aphasia.