Sport und Endoprothesen: Bessere Implantate machen mehr mit und mehr möglich


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Der Anteil an Patienten, die auch mit einem künstlichen Hüftgelenk sportlich aktiv sein wollen, nimmt immer weiter zu. Tatsächlich erlauben moderne Materialpaarungen für den Ersatz von Hüftpfanne und Hüftkopf mittlerweile einen aktiveren Lebenswandel. Der Grund: Sie erzeugen bei Belastung deutlich weniger Abriebpartikel – bisher eine der Hauptursachen für eine Lockerung von Gelenk-Implantaten. Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik empfiehlt heute allen Patienten mit Hüftprothese, regelmäßig moderaten Sport, etwa Schwimmen oder Radfahren, zu treiben. Fortschritte der Endoprothetik sind ein Thema des kommenden Kongresses der Fachgesellschaft (AE-Kongress: „Endoprothetik auf der Suche nach Perfektion“; 7. bis 8. Dezember 2018, Düsseldorf).

Weniger Abrieb, mehr Haltbarkeit

Heute hält ein künstliches Hüftgelenk bei 90 Prozent der Patienten bis zu 20 Jahren. Ein wesentlicher Grund für die verlängerte Haltbarkeit ist der große Rückgang an Implantat-Lockerungen. „Inzwischen haben wir es mit deutlich verbesserten Materialien zu tun, die viel weniger Abrieb erzeugen“, sagt Professor Dr. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE. „Die seit den 1960er-Jahren häufig verwendeten relativ weichen Polyethylenpfannen (PE) in der Gleitpaarung mit einem Metallkopf beziehungsweise Metallpfannen in Kombination mit einem Metallkopf erzeugten selbst bei moderater körperlicher Belastung relativ viel Abrieb“, erläutert der Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig. Abrieb kann in der Implantatumgebung eine Entzündung auslösen und so zu Knochenabbau und Implantat-Lockerung führen. Um einem Prothesenverschleiß vorzubeugen, rieten Ärzte ihren Patienten deshalb früher, das künstliche Gelenk möglichst nur zurückhaltend zu belasten. „Viele Patienten haben sich deshalb eher zu wenig bewegt“, so Heller. Doch diese Empfehlung sei überholt: „Die neuen Materialien tolerieren deutlich mehr Aktivität.“ 

Sport ja, Leistungssport nein

„Mit der Einführung verschleißresistenter Materialien sind wichtige Voraussetzungen für eine stärkere Belastung künstlicher Hüften erfüllt“, sagt Heller. „Tägliche moderate Bewegung ist heute bei jedem Patienten möglich und gewünscht.“ Gezielte Muskelkräftigung rund um das Implantat trage sogar zur Haltbarkeit der Prothese bei. „Die allgemein bekannte Empfehlung zu schonenden und zyklischen Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wandern, Radfahren oder Golf frühestens ab drei, besser erst sechs Monate nach der Operation, behält in jedem Fall ihre Gültigkeit“, sagt Professor Dr. Florian Gebhard, Präsident der AE aus Ulm. Sind höhere Belastungen geplant, etwa durch Skifahren im Urlaub, sollte dies in jedem Fall individuell geklärt werden. Leistungssport mit künstlicher Hüfte werde jedoch weiterhin nicht empfohlen, da er die Haltbarkeit der Prothese erheblich verkürzen könne.

Heute ist die Gleitpaarung von hochvernetzten Polyethylen-Pfannen mit einem Keramikkopf die am häufigsten eingesetzte Materialkombination in der Hüftendoprothetik. Nur Gleitpaarungen aus Keramikinlay und Keramikkopf erzeugen einen noch geringeren Abrieb. „Deshalb werden sie oft für jüngere Patienten gewählt“, sagt Heller. Es sei jedoch eine individuelle Entscheidung, welche Gleitpaarung verwendet werde, betont Heller. „Sie hängt nicht nur vom Alter und Aktivitätslevel des Patienten ab. Auch die gewünschten Sportarten und anatomischen Voraussetzungen spielen eine Rolle. All dies muss vor dem Eingriff abgeklärt werden.“

Ein paar konkrete Empfehlungen

Empfehlenswerte Sportarten mit künstlichem Hüftgelenk sind zum Beispiel:

  • Aerobic (ohne Sprünge)
  • Aquajogging
  • (Nordic-) Walking, Wandern und Bergwandern mit Stöcken
  • Ergometertraining
  • Gymnastik
  • Krafttraining (angeleitet durch eine Fachkraft)
  • Laufen (Laufband)
  • Radfahren 
  • Reiten
  • Rudern
  • Schwimmen
  • Tennis (Doppel)
  • Tanzen.