Spironolacton - eine Option vielleicht auch bei diastolischer Herzinsuffizienz


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

In einer placebo-kontrollierten Phase-3-Studie soll der Nutzen des Aldosteron-Antagonisten Spironolacton bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurfleistung geprüft werden. An der Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung nehmen Kliniken in mehreren europäischen Ländern teil. 

Zunehmende Prävalenz der Herzinsuffizienz

Weltweit sind rund 26 Millionen Menschen von einer Herzinsuffizienz  betroffen. In Deutschland etwa sei die „Zahl der herzinsuffizienz-bedingten Hospitalisierungen zwischen 2000 und 2013 um 65,3 Prozent gestiegen, berichtete Professor Rolf Wachter (Leipzig) auf der 81. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim. Besonders stark sei die prozentuale Zunahme mit knapp 79 Prozent in den neuen Bundesländern Mit zunehmenden Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer Herzschwäche zu erkranken, rasant an: Sind bei den 40- bis 50-Jährigen nur 1 Prozent betroffen, leiden bei den über 75-Jährigen bis zu 10 Prozent an einer Herzschwäche. Aktuell ist die Herzschwäche in Deutschland der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt.

Bisher nur symptomatische Therapie bei diastolischer Herzschwäche

Die Hälfte aller Herzinsuffizienz-Patienten leidet an einer Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion. Anders als bei der Herzinsuffizienz mit verminderter Auswurfleistung gibt es bei der diastolischen Herzinsuffizienz zusätzlich zum körperlichen Training nur recht unbefriedigende pharmakologische Therapie-Optionen. Der Verlauf der Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion lässt sich mit den heutigen Therapiemöglichkeiten nicht beeinflussen. Momentan kann nur versucht werden, die Beschwerden der Patienten zu lindern. „Es gibt für diese Form der Herzschwäche momentan keine Behandlung, die erfolgreich an den Krankheitsmechanismen ansetzt“, sagt Prof. Dr. Burkert Pieske, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie an der Charité.

Pieske und seine Kollegen untersuchen nun in der Studie SPIRIT-HF-DZHK8, ob der Aldosteron-Antagonist Spironolacton eine Option sein könnte. Vorausgegangene Studien zur Wirkung von Spironolacton bei Patienten mit diastolischer Herzschwäche  brachten keine klaren Resultate. „Im Unterscheid zu vorherigen Studien sollen an unserer Studie nur Patienten teilnehmen, bei denen eine diastolische Komponente mithilfe klar definierter Kriterien eindeutig diagnostiziert wurde“, erklärt Prof. Dr. Frank Edelmann, Leiter der „Clinical Research Unit“ am Campus Virchow-Klinikum der Charité und Co-Studienleiter. 

Design der Spironolakton-Studie

In der placebo-kontrollierten Phase-3-Studie SPIRIT-HF-DZHK8 wird untersucht, ob Spironolacton die Zahl der Krankenhausaufenthalte und die Sterberate bei der Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion reduzieren kann. Es handelt sich um ein kleines europäisches Projekt; außer 35 Kliniken in Deutschland beteiligen sich auch Kliniken in Österreich, Frankreich, den Niederlanden und Serbien an der Studie.

Klinische Bedeutung

Die 5-Jahres-Überlebensrate eines Herzschwäche-Patienten ist zurzeit schlechter als die der meisten Krebs-Patienten. Trotz intensiver Forschung liegt sie immer noch bei 50 Prozent. Bis zu 45 Prozent der Patienten, der wegen einer Herzinsuffizienz in einer Klinik behandelt werden müssten, stürben innerhalb eines Jahres nach Aufnahme in das Krankenhaus, so Professor Andrew L. Clark, Vorsitzender der „Britischen Gesellschaft ür Herzinsuffizienz“ vor wenigen Monaten im Vorfeld des „Europäischen Tages der Herzschwäche”. Eine wirksame pharmakologische Therapie auch für Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz ist daher dringend erwünscht. Ein Pluspunkt von Spironolakton wäre zudem, dass der Wirkstoff seit vielen Jahren bekannt und eine Therapie damit preiswert ist.

Finanzierung: DZHK, Bundesministerium für Bildung und Forschung