Spielerisches Fitnesstraining für Parkinson-Patienten in den eigenen vier Wänden

  • Lancet Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Technische Hilfsmittel wie eine Virtual-Reality Software und spielerische Übungen können Patienten mit Morbus Parkinson beim Radtraining daheim unterstützen. Im Vergleich zu einer weniger aktiven Kontrollgruppe zeigte sich nach 6 Monaten eine klinisch signifikante bessere Motorik.

Hintergrund

Gute Studien, wonach Sport die Verschlechterung der motorischen Symptome bei Patienten mit Morbus Parkinson abschwächen könnte, sind nach Ansicht der Autoren Mangelware. Außerdem sei es eine Herausforderung, eine langfristige Adhärenz zu erreichen. Sie haben deshalb versucht, aerobe Übungen in Spielform als Anwendung für die heimische Umgebung zu entwickeln.

Design

Unizentrische, doppelblinde, randomisierte Studie mit 130 Patienten im Alter von 30 bis 75 Jahren im Hoehn und Yahr-Stadium 2 oder besser und unter stabiler dopaminerger Medikation. Sie sollten 6 Monate lang 3-mal wöchentlich für jeweils 30 – 45 Minuten auf einem stationären Hometrainer Rad fahren, oder Dehnübungen absolvieren (Kontrollgruppe). Beide Gruppen wurden durch eine App und gelegentliche Anrufe unterstützt, die Übungen auf dem Hometrainer zusätzlich noch mit einer Virtual-Reality Software und realistischen Videos, um das Training mit spielerischen Elementen zu bereichern („Exergaming“). Primäres Studienziel war der Unterschied im motorischen Bereich der Unified Parkinson's Disease Rating Skala (UDDRS) nach 6 Monaten im Off-Stadium.

Ergebnisse

  • In der Nachverfolgung gingen 4 Patienten in der Interventionsgruppe und 1 Patient in der Kontrollgruppe verloren; jeweils 10 Patienten absolvierten das zugeteilte Übungsprogramm nicht.
  • Die Gruppendifferenz der UPDRS-Werte betrug 4,2 Punkte zugunsten der Interventionsgruppe (95%-Konfidenzintervall 1,6 – 6,9; p = 0,002). Sie lag damit über der vorab als klinisch relevant definierten Schwelle von 3,5 Punkten.
  • Nebenwirkungen wie Arthralgien, Rückenschmerzen und Palpitationen, die möglicherweise im Zusammenhang mit den Übungen standen, gab es bei 7 Patienten (11 %) in der Exergaming-Gruppe, und 4 (6 %) in der Kontrollgruppe.

Klinische Bedeutung

Erneut wurde hier gezeigt, dass ein aerobes Übungsprogramm für Patienten mit frühem Parkinson die Motorik im off-Stadium günstig beeinflussen kann. Nach Angaben der Autoren handelt es sich um eine der größten, qualitativ hochwertigen, Studien in diesem Bereich. Die Techniken, mit denen man die Attraktivität des Heimtrainings gesteigert hat, sind bereits weitgehend marktreif und kommerzialisiert, allerdings fehlen noch Daten zur langfristigen Wirksamkeit und einem möglichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Finanzierung: Niederländische Organisation für Gesundheitsforschung und Entwicklung (ZonMw).