Spezifische Verhaltenstherapie nach Misshandlung, Trauma und Borderline wirksam

  • JAMA Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patientinnen, die zusätzlich zu einer, mit Kindesmissbrauch assoziierten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) eine Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickeln, profitieren erheblich von einer dialektischen Verhaltenstherapie im ambulanten Setting.

Hintergrund

Kindesmissbrauch erhöht das Risiko für eine (PTSD). Trotz der hohen Prävalenz gäbe es aber kaum Bewertungen Evidenz-basierter Behandlungen in dieser Indikation, schreiben die Forscher um den Erstautor Professor Martin Bohus vom Zentralinstitut für Geistige Gesundheit in Mannheim.

Design

Verglichen wurde eine spezifisch entwickelte, Phasen-orientierte Therapie für PTSD, die dialektische Verhaltenstherapie (DBT) mit einer kognitiven Verarbeitungstherapie (CPT), die als eine der am besten durch empirische Daten belegten Therapien bei PTSD gilt. Die Studie fand an 3 deutschen Universitätsambulanzen statt, war randomisiert und die Bewertung erfolgte verblindet. Eingeschlossen wurden 193 von ursprünglich 955 evaluierten Frauen mit einer PTSD im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch, die zusätzlich mindestens 3 Kriterien des DSM-5 für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung erfüllten.

Ergebnisse

  • Die Teilnehmerinnen waren im Schnitt 36,3 Jahre alt, wurden über 15 Monate beobachtet und erhielten ihre Therapien jeweils ähnlich häufig und lange, nämlich bis zu 45 individuelle Sitzungen innerhalb eines Jahres und 3 zusätzliche Sitzungen in den 3 folgenden Monaten.
  • Primäres Studienziel war die Veränderung der vom Kliniker erhobenen PTSD-Skala für DSM-5 (CAPS-5) von der Randomisierung bis Monat 15. Beide Gruppen zeigten hier signifikante Verbesserungen mit Effektgrößen von d = 1,35 für die DBT und d = 0,98 für die CPT.
  • Beim Vergleich der beiden Therapien war DBT geringfügig, aber signifikant, besser (Gruppendifferenz 4,82; 95%-Konfidenzintervall 0,67 – 8,86; P = 0,02).
  • Weitere Vorteile der DBT waren:
    • geringere Rate von Therapieabbrüchen (25,5 versus 39 %),
    • höhere Rate symptomatischer Remissionen (58,4 versus 40,7 %),
    • mehr verlässliche Verbesserungen (74,5 versus 55,8 %) und
    • mehr verlässliche Gesundungen (57,1 versus 38,6 %).

Klinische Bedeutung

Die Studie belegt die Wirksamkeit beider Verfahren; die neue entwickelte DBT schnitt dabei in vielerlei Hinsicht besser ab. Auch eine, mit schwerem Kindesmissbrauch assoziierte PTSD mit emotionaler Dysregulation kann demnach mit guter Aussicht auf Erfolg behandelt werden.

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung.