Spezifische Smartphone-Interventionen verbessern womöglich die Adhärenz zur ART


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Medical News
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Kernbotschaften

  • Eine Metaanalyse zeigt, dass bei HIV-Positiven Interventionen per Textbotschaften, um die Adhärenz zur ART verbessern, einen moderaten Effekt haben.
  • Die Adhärenz zur ART und klinisch relevante Befunde verbessern sich nach spezifischen Interventionen per Smartphone, etwa Textbotschaften, die einen Link zu professioneller medizinischer Versorgung oder zu Bildern erhalten, oder mit einem Telefonanruf kombiniert werden.
  • Bevor erwogen wird, solche Interventionen per Smartphone im klinischen Alltag anzuwenden, muss ihre Effektivität weiter erforscht werden.

Derzeit haben nur 59 Prozent der weltweit rund 36 Millionen HIV-positiven Menschen Zugang zu einer antiretroviralen Therapie (ART). 

Eine effektive Therapie erfordert eine hohe Adhärenz; nach Schätzungen der WHO ist jedoch nur bei einem Drittel der HIV-Infizierten die Adhärenz ausreichend; Gründe dafür gibt es mehrere, etwa mangelndes Wissen oder hohe Belastung durch viele einzunehmende Medikamente.

Für Smartphone-basierte Interventionen ist gezeigt worden, dass sie die Adhärenz verbessern; doch kürzlich publizierte Studien haben gemischte Resultate geliefert. 

Mit ihrem systematischen Studienauswertung plus Metaanalyse liefern die Autoren eine aktuelle Synthese der Ergebnisse von randomisierten und kontrollierten Studien zu Interventionen, die die Adhärenz zur HIV-Medikation verbessern sollen.

19 Studien mit insgesamt 2650 Teilnehmern wurden identifiziert (1990-2017, Datenbanken: Cochrane, Medline, CINAHL, EMBASE und Global Health). Die Interventionen wurden vermittelt: per Textbotschaft (n=9), Handy-Anruf (n=5), Smartphone-Bild (n=1) und mit gemischten Methoden (n=4).

Es wurde kein Effekt festgestellt, wenn mit den gepoolten Ergebnissen von per Textbotschaft vermittelten Interventionen das Risiko-Verhältnis berechnet wurde (1,25; CI 0,97 bis 1,61; P=0,08); dagegen gab es einen  moderaten Effekt bei den standardisierten mittleren Differenzen (0,42; 0,03 bis 0,81; P=0,04), die eine moderate Wirkung auf die Adärenz zeigten.

Unklar war, welche Rolle es für die Effektivität spielte, nach welchem Muster die Intervention vermittelt wurde, ob täglich, wöchentlich, geplant oder getriggert.

Botschaften mit einem Link zur Unterstützung, Interaktivität und der Einsatz von mehr als drei Techniken zur Verhaltensänderung verbesserten alle die Adhärenz.

Die Autoren stellten fest, dass eine Studie, in der die Intervention per Handy-Anruf vermittelt wurde, eine Reduktion der Virus-Belastung zeigte, ebenso eine Studie mit Smartphone-Bildern. Zudem berichteten drei Studien, die Interventionen per Textbotschaften und Beratung per Smartphone vermittelten, über verbesserte biologische Ergebnisse. 

Die Ergebnisse lassen schlussfolgern, dass spezifischen Interventionen für eine Anwendung besser geeignet sind als allgemeine Smartphone-basierte Interventionen. 

Bevor erwogen wird, solche Interventionen per Smartphone im klinischen Alltag anzuwenden, müssen ihre Effektivität, ihre Kosteneffektivität und klinisch relevante Ergebnisse weiter erforscht werden. Notwendig sind insbesondere randomisierte und kontrollierte Studien. 

Limitierungen: Die Metaanalyse berücksichtigt nur wenige Studien mit oft wenigen Patienten und kurzer Beobachtungsdauer; gepoolte Analysen zu den identischen Ergebnissen waren schwer durchzuführen, da in den Studien 15 unterschiedliche Methoden zur Adhärenz-Messung verwendet wurden; möglicherweise wurden Interventions-Effekte unterschätzt, und zwar infolge einer unwahrscheinlichen besonderen Beachtung der Adhärenz in den Kontroll-Gruppen.