Spendernieren von Hepatitis-C-Patienten funktionstüchtig


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Spendernieren von Patienten mit Hepatitis C eignen sich genauso gut wie Organe von gesunden Spendern. Dies belegt eine US-amerikanische Studie, die jüngst im Annals of Internal Medicine publiziert wurde. Die Verwendung von Organen HCV-infizierter Patienten wird aufgrund des Organengpasses derzeit auch in der Deutschen Transplantationsgesellschaft diskutiert.

Hintergrund

Dank effektiver Therapien mit direkt antiviral wirksamen Medikamenten (DAA) erhielten bereits einige Patienten in Deutschland erfolgreich Hepatitis C-positive Organe. Dennoch gelten im Normalfall Organe von Spendern mit Infektionskrankheiten wie Hepatitis C oder HIV als nicht für eine Transplantation geeignet. Auch in den Leitlinien der amerikanischen und europäischen Lebergesellschaften wird die Transplantation HCV-positiver Organe nicht befürwortet. Es sei denn, der Empfänger ist bereits an Hepatitis C erkrankt. 

Design

In einer nicht-randomisierten Open-label-Studie haben US-amerikanische Wissenschaftler 20 Transplantationen untersucht, bei denen HCV-infizierte Patienten Nieren an nicht-erkrankte Empfänger gespendet hatten. Am dritten Tag nach der Transplantation erhielten die Neuinfizierten eine Therapie mit einem Kombinationspräparat aus Elbasvir und Grazoprevir. D ie Teilnehmer hatten zuvor in die Transplantation einer Niere von infizierten Spendern mit anschließender Therapie eingewilligt. 

Hauptergebnisse

Bei allen Empfängern der erkrankten Spender ließ sich das Virus nach der Transplantation im Blut nachweisen. Die Infektion konnte jedoch durch die im Anschluss durchgeführte antivirale Therapie wieder geheilt werden. Die Forscher um Peter Reese von der University of Pennsylvania berichteten, dass nach einer Beobachtungszeit von einem Jahr keiner der untersuchten Organempfänger an Hepatitis C erkrankt war. Zudem haben sich die Nieren der infizierten Spender gut entwickelt und arbeiten genauso erfolgreich wie die von gesunden Spendern. Alle Teilnehmer berichteten außerdem von einer guten Lebensqualität.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Transplantation von Spendernieren HCV-infizierter Patienten sicher ist. „Ob jedoch das Virus immer eliminiert werden kann, wenn eine große Zahl von Patienten Hepatitis- C-positive Organe erhält, oder unter der laufenden Immunsuppression in wenigen Fällen Resistenzen gegen die Hepatitis-C-Medikamente auftreten, bleibt offen“, gibt Prof. Kunzendorf, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten des Universitätsklinikums in Kiel zu Bedenken. Gleichzeitig sei die Hepatitis C-Therapie zwar kostenintensiv aber ausgesprochen gut verträglich. „Die Verkürzung der Wartezeit an der Dialyse führt nicht nur zu einer signifikanten Erhöhung der Lebenserwartung der transplantierten Patienten, sondern spart auch noch Dialyse-Kosten,“ kommentiert der Kieler Experte.

Finanzierung: MSD