Spahn: PrEP soll Kassenleistung werden

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Berlin (pag) – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die medikamentöse HIV-Vorsorge für Risikogruppen als GKV-Leistung verfügbar machen. Laut Medienberichten kündigt Spahn an, dem „Wildwuchs“ bei der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) ein strukturiertes Angebot entgegenzusetzen. 

Seit zwei Jahren kann hierzulande das antiretrovirale Medikament auf Rezept aus der Apotheke bezogen werden. Noch ist es eine Selbstzahlerleistung. Ob es solidarisch finanziert werden sollte, wurde in den vergangenen Monaten kontrovers diskutiert. Die Hauptkosten liegen allerdings mit rund 50 Euro monatlich nicht beim Arzneimittel. Wer PrEP einnimmt, muss sich wegen der Nebenwirkungen engmaschig ärztlich untersuchen lassen. 

Spahn will, dass Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur Prä-Expositions-Prophylaxe erhalten. Das Vorhaben werde noch in diesem Monat auf den Weg gebracht. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband sollen vereinbaren, welche Personen anspruchsberechtigt sind. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass PrEP etwa 10.000 Menschen in Anspruch nehmen werden. Die Wirkung der Prophylaxe will das Ministerium bis Ende 2010 evaluieren. Zunächst muss allerdings der Bewertungsausschuss den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) anpassen, dafür hat das Gremium drei Monate Zeit.

Mit der Prophylaxe wird die Hoffnung verbunden, HIV/Aids eines Tages ausrotten zu können. Sie ermöglicht einen selbstbestimmten Schutz vor der Krankheit, ohne darauf angewiesen zu sein, dass der Partner ein Kondom benutzt. Allerdings befürchten Kritiker, dass damit die Bereitschaft für Kondome sinkt. In der Folge würden andere Geschlechtskrankheiten wieder vermehrt übertragen.

„Die neue Regelung ist ein Meilenstein für die HIV-Prävention in Deutschland“, sagt Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe. Die Kassenfinanzierung werde Menschen den Zugang zur HIV-Prophylaxe eröffnen und damit zahlreiche Infektionen verhindern. „Sie ist der entscheidende Schritt, um das Potenzial dieser Maßnahme auszuschöpfen.“ Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche lobt Spahn für seine Initiative. Sie verlangt, „dass nun auch die privaten Krankenversicherungen nachziehen und die Behandlungskosten der PrEP übernehmen – hier werden im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung überproportional viele Neuinfektionen gemeldet“.