Späterer Schulbeginn hilft, Schlafdefizit von Schülern auszugleichen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nachdem der Schulbeginn um eine Stunde nach hinten auf 8:50 gelegt worden war, verlängerte sich bei zwei weiterführenden US-amerikanischen Schulen (High-Schools) die mittlere Schlafdauer um 34 Minuten. Gleichzeitig verbesserten sich die akademischen Leistungen um 4,5 %.

Hintergrund

Die meisten Teenager bleiben gerne lange wach und stehen dafür später auf. Die Ursachen dafür liegen nicht nur in gesellschaftlichen Veränderungen und dem vermehrten Gebrauch elektronischer Geräte, sondern auch in einer natürlichen Verzögerung der Einschlafzeit durch das circadiane System Heranwachsender. Die Folge ist, dass die meisten Jugendlichen die empfohlene Schlafdauer von 8 bis 10 Stunden täglich nicht erreichen. Zwar gibt es einige Studien, wonach Teenager, die erst später in die Schule müssen, über längere Schlafzeiten berichteten. Objektiv gemessen wurde dies bisher aber ebenso wenig gemessen wie mögliche Auswirkungen dieser Maßnahme auf die schulische Leistung.

Design

Die Studienautoren nutzten den im US-Distrikt Seattle per Dekret von 7:50 auf 8:45 verschobenen Schulbeginn im Jahr 2016-2017, um die Schlafzeiten zu messen. Dazu wurden die Schüler zweier Klassen des zweiten Jahrgangs an 2 verschiedenen weiterführenden öffentlichen Schulen mit Aufzeichnungsgeräten am Handgelenk ausgestattet. Sie absolvierten darüber hinaus einen Test im Wissenschaftsunterricht mit Vorhersagen zum eigenen Schlafmuster. Schließlich wurden auch Fragebögen zur Erfassung von Depressionen, Schläfrigkeit und Chronotypen ausgefüllt.

Hauptergebnisse

  • Nach der Verzögerung des Schulbeginns verlängerte sich die Schlafzeit der Schüler an Schultagen um durchschnittlich 34 Minuten (von 6:50´´ auf 7:24´´). Damit wurde nach Auskunft der Autoren wieder ein Wert erreicht, wie er zuletzt Jahrzehnte zuvor gemessen wurde.
  • Die Bettgehzeit war nicht statistisch signifikant verändert, die Differenz rührte also im Wesentlichen vom längeren Ausschlafen der Schüler her. An schulfreien Tagen waren die Schlafparameter nahezu unverändert.
  • Dadurch, dass die Aufwachzeiten an Wochentagen und den Wochenenden nun näher zusammen lagen, reduzierte sich auch der „soziale Jetlag“, also die Phase, in der die biologische Uhr mit sozialen Aktivitäten in Konflikt ist.
  • Im Biologiekurs, der als Leistungsindikator diente, verbesserten sich die Noten mit dem späteren Schulbeginn um 4,5 %.
  • Eine der beiden Schulen hatte von vorneherein einen niedrigeren Anteil von Schülern, die fehlten oder zu spät kamen (13 % bzw. 3,5 %). Diese Werte veränderten sich kaum (auf 12,8 % bzw. 3,4 %), während in der zweiten Schule eine signifikante Abnahme fehlender Schüler (von 15,5 % auf 13,6 %)bzw. zu spät kommender Schüler (von 6,2 auf 4,3 %) beobachtet wurde.

Klinische Bedeutung

Ein verzögerter Schulbeginn in der Sekundärschule kann dieser Studie zufolge einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass die Schlafzeiten von Schülern sich wieder den empfohlenen Werten annähern und ein Trend gestoppt wird, der bereits seit einem Jahrhundert anhält. Die um 4,5 % verbesserten Noten könne man zwar nicht zweifelsfrei auf die Maßnahme zurückführen, schreiben die Autoren; es sei jedoch vernünftig, davon auszugehen, dass besser ausgeruhte und wachere Schüler auch bessere akademische Leistungen bringen.

Finanzierung: National Science Foundation; Department of Biology, University of Washington.