Sonnenschutzcremes: Effektive Erythemprophylaxe muss Vitamin-D-Bildung nicht hemmen

  • British Journal of Dermatology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Mittel- und Nordeuropäer, die im Alltag wenig natürlichem Sonnenlicht ausgesetzt sind, können im Urlaub beides: in die Sonne gehen und damit auch die Vitamin-D-Bildung im Körper anregen und gleichzeitig einem Sonnenbrand vorbeugen . Hautcremes mit Sonnenschutzfaktor (SPF) 15 schützen einerseits ausreichend vor Erythemen, ermöglichen aber auf der anderen Seite   auch die Anregung der Vitamin-D-Bildung über die Haut.

Hintergrund


UV-Licht und dabei vor allem der UVB-Anteil der Sonnenstrahlung verursacht bei hellhäutigen Menschen mit wenig natürlicher Sonnenexposition Erytheme und erhöht das Risiko für Hautkrebs. Die Malignome entwickeln sich vorrangig an den sonnenexponierten Stellen. Zugleich aber werden circa 80 Prozent des im Körper vorhandenen Vitamin D durch eine Aktivierung der Vitamin-Synthese über den UVB-Anteil der Sonnenstrahlung gebildet. Vitamin D ist wesentlich für die Knochengesundheit. Wirksamer Sonnenschutz und Anregung der Vitamin-D-Bildung gelten daher als schwer miteinander zu vereinbaren. In einer prospektiven Studie sind die gesundheitlichen Effekte verschiedener Cremes auf Erythembildung und Vitamin-D-Synthese miteinander verglichen worden.

Design

  • prospektive Studie mit 4 Gruppen erwachsener Teilnehmer:
  • 3 Teilnehmergruppen, die ganzjährig in Polen wohnten, verbrachten parallel 1 Woche Urlaub auf Teneriffa im Dezember bei weitgehend wolkenlosem Himmel und einem maximalen UV-Index von 9 (sehr hoch)
    • Gruppe A (n = 20) erhielt Creme mit SPF 15 und vergleichsweise geringer UVA-Absorption zugunsten von mehr Lichtschutz gegen UVB-Strahlung (mehr UVA-Licht auf der Haut und weniger UVB-Anteil)
    • Gruppe B (n = 20) verwendete Creme mit Sonnenschutzfaktor (SPF) 15 und vergleichsweise hoher UVA-Licht-Absorption zuungunsten der UVB-Licht-Absorption (weniger UVA-Licht und höherer UVB-Anteil auf der Haut). Die beiden Gruppen trugen die Cremes 3 mal täglich auf, und zwar in der allgemein bei Sonnencremes empfohlenen Schichtdicke von 2 mg/Quadratzentimeter Haut.
    • Gruppe C (n = 22) verwendete eigene Sonnencreme mit den persönlichen Auftragungsgewohnheiten
  • Gruppe D (n = 17) blieb im Heimatort und war die Kontrolle für die Vitamin-D-Bildung.

Hauptergebnisse


Die Sonnencremes mit SPF 15 verhinderten in den Gruppen A und B gut und vergleichbar effektiv Erytheme. In der Teilnehmergruppe C, die eigene Cremes in gewohnter Weise verwendete, waren Sonnenbrände häufiger, vor allem durch Fehler beim Auftragen des Sonnenschutzes (zu wenig Creme pro Quadratzentimeter). Verglichen mit der Kontrollgruppe, die im Heimatland blieb, hatten die Gruppen A und B eine deutlich höhere Vitamin-D-Bildung: die Werte von 25-Hydroxyvitamin D3 im Serum erhöhten sich um durchschnittlich 13,0 und 19,0 nmol/L, in der Kontrollgruppe sanken sie im Verlauf der Woche um durchschnittlich 2,5 nmol/L. Bei den Teilnehmern, die eigene Cremes in gewohnter Weise auftrugen und häufiger Sonnenbrand bekamen, stieg die Vitamin-D-Produktion um durchschnittlich 25 nmol Hydroxyvitamin D3/L Serum an.

Klinische Bedeutung


Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor 15 vermitteln im Allgemeinen einen guten Schutz vor Sonnenbrand, wenn sie reichlich genug aufgetragen werden. Ein Sonnenschutz wird während Aufenthalten im Freien im Frühjahr und im Sommer empfohlen, vor allem bei wolkenlosem Himmel. Die Vitamin-D-Synthese über die Haut ist trotz ausreichenden Sonnenschutzes möglich. Die Autoren weisen daraufhin, dass auch ein Schutz gegen UVA-Licht notwendig sei. Neuere Forschungserkenntnisse belegten, dass auch dieser Anteil des Lichtspektrums schädlich für Keratinozyten und Melanozyten sei und möglicherweise ebenfalls Hautkrebs auslöse.

Finanzierung: Europäische Union, 7. Rahmenprogramm der EU-Kommission