Sollen Notfallsanitäter ärztliche Aufgaben übernehmen?

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Berlin (pag) – Geht es nach dem Bundesrat, dürfen Notfallsanitäter künftig zu invasiven Maßnahmen greifen, um Leben zu retten. In ihrer jüngsten Sitzung schlagen die Länder auf Initiative von Bayern und Rheinland-Pfalz deswegen eine Änderung des Notfallsanitätergesetzes vor. Das sehen Orthopäden und Unfallchirurgen kritisch. Zustimmung kommt aus den Reihen der SPD-Bundestagsfraktion.

Laut des sogenannten Heilkundevorbehalts dürfen bisher nur Ärzte solche lebensrettenden Maßnahmen vornehmen. Wenden Sanitäter diese an, riskieren sie sich strafbar zu machen, teilt die Länderkammer mit. „Aufgrund ihrer Ausbildung verfügen Notfallsanitäter jedoch über die Kompetenz, in Notlagen schnell zu helfen“, heißt es von Seiten des Bundesrats. „Unter strafrechtlichen Gesichtspunkten sind sie hierzu auch verpflichtet. Diesen Widerspruch möchte der Bundesrat mit seiner Initiative nun auflösen und damit Rechtssicherheit schaffen.“

Die Länder beschließen, einen Gesetzentwurf beim Bundestag einzubringen. Dort dürfte ihnen die Stimme von Dirk Heidenblut (SPD) sicher sein. „Eine rechtlich saubere Klarstellung, wie hier gefordert, sind wir den Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern und der guten und zuverlässigen Notfallversorgung schuldig“, findet der Berichterstatter für die Rettungsdienste.

Bei den organisierten Unfallchirurgen und Orthopäden kommt die Initiative nicht gut an. „Eine Substitution ärztlicher Leistung gerade im Kontext einer Notfallsituation wird von uns zum Wohle und zum Schutz der erkrankten und verletzten Patienten abgelehnt“, sagt Prof. Dietmar Pennig. Er ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). In ihrer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Gesundheitsministerium äußern die DGOU, die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie und der Berufsverband Deutscher Chirurgen ihre Bedenken.