So präzise wie nie zuvor: GBD-Forscher beschreiben die Krankheitslast durch Darmkrebs

  • Lancet Gastroenterology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Der bislang umfassendste Report zum Darmkrebs beschreibt die Inzidenz, Mortalität, Risikofaktoren und Trends für den Zeitraum von 1990 – 2017 für 195 Länder und liefert wertvolle Hinweise für die Prävention und die Bedarfsplanung.

Hintergrund

Zuverlässige Statistiken zur Krankheitslast durch Darmkrebs sind Voraussetzung für eine adäquate Allokation der Ressourcen. Die Erfassung regionaler und internationaler Trends verbessert außerdem die Zuverlässigkeit der Bedarfsplanung.

Design

Im Rahmen eines Projekts zur Epidemiologie von Krankheiten, deren Risikofaktoren und Belastungen (Global Burden of Disease Study, GBD) hat ein weltweites Konsortium von Forschern (GBD 2017 Colorectal Cancer Collaborators) für Darmkrebs die Inzidenz, Mortalität und den Verlust an Qualitäts-adjustierten Lebensjahren (DALYs) als Maß für die Krankheitslast geschätzt. Man stützte sich dabei auf Daten aus Geburts- Sterbe- und Krebsregistern, aber auch auf die Befragung des Umfelds Verstorbener („Verbal autopsy“).

Ergebnisse

  • Die weltweite Inzidenz kolorektaler Karzinome im Jahr 2017 betrug 1,8 Millionen (95%-Konfidenzintervall 1,8 – 1,9). Es verstarben 896.000 Menschen (876.300 – 915.700) an dieser Krankheit.
  • Die altersstandardisierte Inzidenzrate betrug 23,2 / 100.000 Personenjahre und hat seit 1990 um 9,5 % (95%-KI 4,5 – 13,5) zugenommen.
  • Die altersstandardisierte Mortalitätsrate lag bei 11,5 / 100.000 Personenjahre und hat seit 1990 um 13,5 % (95%-KI -18,4 bis – 10,0) abgenommen.
  • Etwa 19 Millionen DALYs (95%-KI 18,5 – 19,5) gingen 2017 weltweit in Folge von Darmkrebs verloren. Die altersstandardisierte Rate ging seit 1990 um 14,5 % auf 235,7 / 100.000 Personenjahre zurück.
  • Die 3 Hauptverursacher des Verlustes an DALYs waren zu wenig Calcium in der Nahrung (20,5 %), Alkohol (15,2 %) und eine Ernährung ohne ausreichend Milch (14,3).

Klinische Bedeutung

Während die Trends für den erfassten 27-Jahre-Zeitraum relativ weite Konfidenzintervalle aufweisen, scheinen die aktuellen Schätzungen für Inzidenz und Mortalität sehr präzise. Da mit radikalen Verbesserungen in der Therapie nicht gerechnet werden darf, müssen die Gesundheits- und Sozialsysteme sich auf moderat steigende Patientenzahlen einstellen, sowie auf einen größeren Zuwachs von Darmkrebs-Überlebenden.

Finanzierung: Bill & Melinda Gates Foundation.