Skalpell statt Antibiotika? US-Chirurgen argumentieren pro domo bei unkomplizierter Appendizitis


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Nachbeobachtung von privat versicherten US-Patienten mit einer unkomplizierten Appendizitis, bei denen auf eine Operation verzichtet wurde, ergab im Vergleich zu operierten Patienten im Folgejahr mehr Klinikbesuche und geringfügig höhere Kosten.

Hintergrund

Als Alternative zu einer Appendektomie werden unkomplizierte Blinddarmentzündungen zunehmend häufiger mit Antibiotika behandelt. Unklar ist jedoch, ob diese schonendere, und von den meisten Patienten bevorzugte Therapie mittelfristig nicht mit einer erhöhten Rate von Komplikationen einhergeht.

Design

Retrospektive Analyse der Daten von 58.329 privat versicherten US-Amerikanern, denen zwischen 2008 und 2014 die Diagnose einer unkomplizierten Appendizitis gestellt wurde. Gegenübergestellt wurde die Häufigkeit von Notfallaufnahmen, Rehospitalisierungen, abdominalen Abszessen und Clostridium difficile-Infektionen bei operierten versus nicht operierten Patienten nach einer Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 3,2 Jahren.

Hauptergebnisse

  • Der weitaus größte Teil der Patienten (95,5 %) hatte eine Appendektomie bekommen, die verbleibenden 4,5 % (n=2620) wurden nicht operiert.
  • Mit einer Appendizitis assoziierte Rehospitalisierungen waren in der zweiten Gruppe um den Faktor 2,13 häufiger (adjustierte OR, bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,63 – 2,77; P
  • Das nicht-operative Management versagte bei 3,9 % der Patienten; durchschnittlich vergingen 42 Tage bis zur Wiederkehr der Beschwerden.
  • Patienten, die zunächst nicht operiert wurden, hatten im Jahr darauf durchschnittlich (nicht adjustiert) 1,6 Klinikbesuche, jene Patienten, deren Blinddarm bereits entfernt wurde, hatten im Mittel 0,3 Besuche.

Klinische Bedeutung

Die von Chirurgen durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, dass „ein nicht-operatives Management nicht für alle Patienten mit einer unkomplizierten Appendizitis die bevorzugte First-Line-Therapie darstellt“. Als Argument führen sie unter anderem ins Feld, dass die Gesamtkosten für die nicht operierten Patienten mit durchschnittlich 14934 US-Dollar um 785 Dollar über denen der operierten Patienten gelegen hätten. In Deutschland wäre diese Berechnung aber womöglich anders ausgegangen, und eine alternative Darstellung dieser Studie wäre, dass der Verzicht auf die Appendektomie für 96,1 % der Patienten offenbar die richtige Entscheidung war.

Finanzierung: National Center for Advancing Translational Science, National Institutes of Health, Stanford University.