Single-Dasein häufig mit psychischen Krankheiten verbunden

  • PLOS ONE

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Menschen, die alleine leben, sind häufiger psychisch krank. Dies gilt vor allem für jene Singles, die ungewollt alleine leben, sich einsam fühlen und daran leiden. 

Hintergrund

Einsamkeit ist „in“, schon seit Langem in der schöngeistigen Literatur und in Hollywood; seit einigen Jahren wird das Thema auch in der Medizin zunehmend beachtet. Mehrere Studien sind dazu bereits veröffentlicht worden, wobei es oft um den Zusammenhang zwischen psychischen Krankheiten einerseits und Single-Dasein sowie Gefühlen der Einsamkeit andererseits geht. Einsamkeit und soziale Isolation seien ein größeres Gesundheitsproblem als Adipositas, hat es schon geheißen. Besonders in Großbritannien sei die Prävalenz psychischer Krankheiten bei Menschen, die alleine leben, besonders hoch, berichten die Autoren der aktuellen Studie. Um die komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen, haben sie nationale Daten zu psychischen Erkrankungen ausgewertet.

Design 

Ausgewertet wurden die Daten von etwas über 20.000 Personen im Alter von 16 und 64 Jahre , die 1993, 2000 oder 2007 an der „National Psychiatric Morbidity"-Erhebung teilgenommen hatten, bei der sie zu ihrer psychischen Gesundheit befragt wurden. Zudem wurden Informationen zu relevanten Faktoren wie Größe und Gewicht, Suchtkrankheiten, Sozialkontakte sowie dem Gefühl von Einsamkeit gewonnen.

Hauptergebnisse

  • Das Phänomen Einsamkeit war bei Singles deutlich häufiger als bei Menschen, die nicht alleine lebten (34% versus 18% im Jahr 2007)
  • Auch die Prävalenz psychischer Erkrankungen war bei Singles größer als bei Menschen, die nicht alleine lebten. Die Berechnungen ergaben für alle drei Jahre eine positive Assoziation (odds ratio:1,69 und 1,63 sowie 1,88). Der Zusammenhang wurde in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern festgestellt.
  • Das wichtigste Bindeglied bei dieser Assoziation war das Gefühl der Einsamkeit.

Klinische Bedeutung

Die Studie hat den bekannten Zusammenhang zwischen Single-Dasein und psychischen Erkrankungen bestätigt, außerdem, dass ein Leben als Single nicht zwangsläufig immer bedeutet, ein erhöhtes Risiko für Depressionen oder andere psychische Erkrankungen zu haben. Nicht jeder, der alleine lebt, leidet an Einsamkeit und wird depressiv. Einsamkeit ist außerdem nicht einfach die Abwesenheit von anderen Menschen. Das kann schließlich durchaus erwünscht, angenehm oder sogar notwendig sein. Greta Garbo hat es einmal so erklärt: „Ich habe nie gesagt: Ich will allein sein. Ich sagte: Ich will allein gelassen werden - das ist ein Riesenunterschied.“

Zu beachten ist allerdings, dass psychische Probleme nicht nur die Folge eines ungewollten Single-Daseins sein können, sondern auch die Ursache. Vor allem Patienten mit Depressionen ziehen sich oft aus der Gemeinschaft zurück. Darüber hinaus können auch Menschen unter Einsamkeit leiden, die privat und beruflich ständig Menschen um sich herum haben. 

Die Autoren der aktuellen Studie folgern aus den Ergebnissen, dass bei alleine lebenden Menschen gezielte Maßnahmen gegen die Vereinsamung ergriffen werden sollten. Gefordert sind dabei selbstverständlich nicht nur und primär das Gesundheitswesen und die Medizin, sondern vor allem die Gesamtgesellschaft, von Familien-Angehörigen und Freunden über Nachbarn bis hin zu Kommunal- und Bundespolitikern.

Finanzierung: staatliche Mittel