SGLT2-Hemmer reduzieren kardiales Risiko am stärksten

  • JACC

  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Eine Metaanalyse der aktuellsten klinischen Antidiabetika-Studien ergab, dass SGLT2-Hemmer, GLP-1-Agonisten und DPP-4-Inhibitoren das Risiko für Herzinsuffizienz reduzieren und Hospitalisierungen vermeiden helfen. Am wirksamsten zeigten sich dabei SGLT2-Hemmer.

Hintergrund

Patienten mit Typ-2- Diabetes haben im Vergleich zu Nicht-Diabetikern eine zweifach erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und eine ebenso stark erhöhte Mortalität. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA verlangt in einer Leitlinie deshalb ebenso wie die europäische Arzneimittelkommission (EMA) für neue Antidiabetika eigene Sicherheitsstudien (Outcome-Studies), die den Nachweis erbringen, dass sie kein erhebliches zusätzliches kardiovaskuläres Risiko aufweisen. Inzwischen wurden 20 solcher Studien einschließlich GLP1-Agonisten (Glucagon-like peptide), DDP-4-Inhibitoren (Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren) und SGLT2-Hemmer (Inhibitoren des Natrium-Glukose-Transporters 2) initiiert, zu knapp der Hälfte liegen inzwischen die Ergebnisse vor.  Letztere mit den Wirkstoffen Dapagliflozin, Canagliflozin oder Empagliflozin sind in der EU seit 2012 als Monotherapie für diejenigen Typ-2-Diabetiker zugelassen, bei denen sich der Blutzucker durch Diät und Bewegung allein nicht kontrollieren lässt und eine Metformin-Unverträglichkeit vorliegt. Eine Kombinationstherapie mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln wie Insulin, Glinide und Sulfonylharnstoffen ist ebenso möglich wie der Einsatz als Kombipräparat mit Metformin. SGLT2-Hemmer bewirken, dass der Diabetespatient Blutzucker über die Nieren mit dem Urin ausscheidet.

Studiendesign

Dr. Caroline Kramer vom Mount Sinai Hospital in New York und Kollegen identifizierten über die Datenbanken Embase, PubMed, Cochrane Library und clinicaltrials.gov plazebokontrollierte, randomisierte klinische Studien zu Glukose-senkenden Medikamenten, die im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis 24. November 2017 gemäß der FDA-Leitlinie durchgeführt worden waren. Insgesamt neun Outcome-Studien (CANVAS, ELIXA, EMPA-REG OUTCOME, EXAMINE, EXCEL, LEADER, SAVOR-TIMI 53, SUSTAIN-6, TECOS) mit Daten zu 87.162 Patienten flossen in ihre Metaanalyse ein. Die Studien umfassten die SGLT-2-Hemmer Empagliflozin und Canagliflozin, die GLP-1-Agonisten Lixisenatid, Liraglutid, Semaglutid und Exenatide sowie die DPP-4-Hemmer Alogliptin, Saxagliptin und Sitagliptin. An Hand einer  systematischen Netzwerk-Meta-Analyse der vorliegenden Ergebnisse [2] bestimmten die Autoren die Auswirkungen von glukosesenkenden Medikamenten auf das Risiko einer Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz und beurteilten die Effektivität der unterschiedlichen Therapien.

Hauptergebnisse

Die systematische Metaanalyse der neun Outcome-Studien ergab, dass bei Patienten mit Typ-2-Diabetes neuere antihyperglykämische Medikamente, insbesondere SGLT2-Hemmer, das Risiko für Herzinsuffizienz (HF) verbessern und Krankenhauseinweisungen aufgrund Herzinsuffizienz reduzieren können. SGLT-2-Inhibitoren zeigten die größte Risikoreduktion für HF-bedingte Krankenhausaufenthalte im Vergleich zu Placebo (relatives Risiko [RR]: 0,56; 95% credibility interval [Crl, Glaubwürdigkeitsintervall]: 0,43 bis 0,72). Darüber hinaus waren SGLT-2-Inhibitoren in paarweisen Vergleichen mit sowohl GLP-1-Agonisten (RR: 0,59; 95% CrI: 0,43 bis 0,79) als auch DPP-4-Inhibitoren (RR: 0,50; 95% CrI: 0,36 zu 0,70) mit einer signifikanten Risikoreduktion verbunden. Die Analysen ergaben auch, dass mit 99,6%iger Wahrscheinlichkeit die SGLT-2-Inhibitoren die optimale Behandlung zur Verringerung des Risikos für Herzinsuffizienz darstellen, gefolgt von GLP-1-Agonisten (0,27%) und DPP-4-Inhibitoren (0,1%).

Klinische Bedeutung

Die Metaanalyse deutet darauf hin, dass bei Typ-2-Diabetikern SGLT-2-Hemmer das Risiko einer stationären Behandlung wegen Herzinsuffizienz stärker verringern als GLP-1-Agonisten oder DPP-4-Hemmer. Weil kein Zusammenhang zwischen dem Risiko für Herzinsuffizienz und der Senkung der HbA1c-Zielwerte im Zeitverlauf festzustellen war, liegt die Vermutung nahe, dass bei Diabetespatienten mit kardiovaskulären Komorbiditäten einzelne Medikamentenklassen ein günstigeres Profil aufweisen. Das bietet Ärzten die Chance, Herzrisiken unabhängig von den HbA1c-Zielen besser zu berücksichtigen.

Finanzierung

Die Studie wurde vom Mount Sinai Hospital finanziell unterstützt. Einzelne Autoren erhielten Zuwendungen von Boehringer Ingelheim, Eli Lilly, Merck, Novo Nordisk, Sanofi und Takeda.