SGLT-2-Inhibitor bremst Progression der diabetischen Nephropathie


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften 

Canagliflozin hat bei Typ-2-Diabetes-Kranken mit chronischer Nephropathie die Progression der Nierenerkrankung signifikant verlangsamt. Zudem schützte der SGLT-2-Hemmer vor kardiovaskulären Komplikationen. 

Hintergrund

Die Zahl der Dialyse-Patienten beträgt in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie etwa 80.000 – genaue Zahlen fehlten leider, weil es in Deutschland als nahezu einziges Land in Europa kein Dialyseregister gibt. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Dialysepatienten ist geringer als die eines Darmkrebspatienten. Schätzungen zufolge sind 10-11% aller Menschen von einer leichtgradigen Nierenkrankheit betroffen, die bei einigen schneller, bei anderen weniger schnell voranschreitet. Besonders häufig betroffen sind Diabetes-Patienten. Nach nephroprotektiven Therapien für diese Patienten wird seit Jahren gesucht. Hinweise auf einen Nutzen der Gliflozine hat die 2015 publizierte Studie EMPAG-Reg-Outcome geliefert. Sie zeigte zunächst, dass der SGLT-2-Hemmer Empagliflozin das kardiovaskuläre Risiko von Typ-2-Diabetikern senkt. Eine Subanalyse der Studie zum renalen Outcome ergab dann auch positive Effekte auf die Progression der diabetischen Nephropathie. Die beobachteten nierenschützenden Effekte waren so ermutigend, dass große randomisierte Studien auf den Weg gebracht wurden, um den renalen Effekt von verschiedenen Gliflozinen zu untersuchen, darunter die nun publizierte CREDENCE-Studie.

Design

In der randomisierten Studie erhielten 4401 Typ-2-Diabetiker mit diabetischer Nephropathie (GFR zwischen 30 und 90 ml/min/1,73 m2 und Albuminurie) entweder Canagliflozin (100 mg) oder ein Placebo. Die Nachbeobachtungszeit der vorzeitig beendeten Studie betrug im Median 2,62 Jahre.

Hauptergebnisse

  • Beim primären kombinierten Endpunkt aus Nephropathie im Endstadium, Verdopplung des Serum-Kreatinins, renaler oder kardiovaskulärer Tod betrug die relative Risikoreduktion signifikante 30 Prozent (43,2 versus 61,2 per 1000 Patienten-Jahre;  HR 0,70; 95% CI 0,59 - 0,82; P=0,00001).
  • Beim nierenspezifischen sekundären Studienendpunkt aus Dialysepflichtigkeit, Verdopplung des Serum-Kreatinins oder renaler Tod betrug die relative Risikoreduktion 34 Prozent (40,4 versus 27,0 pro 1000 Patienten-Jahre, HR 0,66; 95% CI 0,53 - 0,81; P
  • Beim kardiovaskulären Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall ergaben die Berechnungen eine relative Risikoreduktion von 20 Prozent (HR 0,80; 95% CI 0,67 - 0,95; P=0,01).
  • Bei den Parametern Amputations- oder Fraktur-Rate gab es keine signifikanten Unterschiede. Ketoazidosen waren in der Gliflozin-Gruppe häufiger (2,2 versus 0,2 auf 1000 Patienten-Jahre).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der Studie  stellten „einen echten Durchbruch dar“, so der Nephrologe Professor Jan Galle in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). „Allein die Rate der Patienten, die dialysepflichtig wurden, konnte durch die SGLT2-Hemmung zusätzlich zur Standardtherapie um fast ein Drittel (32%) gesenkt werden, was enorm ist“, so Galle außerdem. Die Bedeutung der Studie könne gar nicht überschätzt werden, so auch die Autoren des begleitenden Editorials im „New England Journal of Medicine“. Nach Einschätzung der DGfN werden SGLT2-Hemmer mit großer Wahrscheinlichkeit in die Standardtherapie von Patienten mit diabetischer Nierenkrankheit integriert werden.

Finanzierung: Janssen