SGLT-2-Hemmer verbessert Prognose von herzinsuffizienten Patienten

  • European Society of Cardiology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften 

Ein Antidiabetikum könnte möglicherweise die pharmakotherapeutischen Optionen für Menschen mit systolischer Herzinsuffizienz erweitern. Denn der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin hat in der vorliegenden Studie herzinsuffiziente Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes vor kardiovaskulären Komplikationen einschließlich Tod geschützt.

Hintergrund

Mehrere kardiovaskuläre Outcome-Studien haben gezeigt oder Hinweise darauf geliefert, dass Gliflozine Patienten mit Typ-2-Diabetes und systolischer Herzinsuffizienz vor Komplikationen wie kardiovaskulärem Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz schützen können. Eine bislang ungeklärte Frage war, ob SGLT-2-Hemmer wie Dapagliflozin auch eine Option für herzinsuffiziente Patienten sein könnten, die nicht an Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Beim Kongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft in Paris sind nun Daten dazu aus der kontrollierten Studie DAPA-HF vorgestellt worden.

Design

An der kontrollierten Studie nahmen fast 5000 Patienten (Durchschnittsalter 66 Jahre, Frauen-Anteil 24 Prozent) mit systolischer Herzinsuffizienz teil. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hatte keinen Typ-2-Diabetes (Anteil der Typ-2-Diabetiker 42 Prozent). 2373 Patienten erhielten zusätzlich zur Standardmedikation täglich zehn Milligramm Dapagliflozin, 2371 Teilnehmer bekamen stattdessen ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Kombination aus kardiovaskulärem Tod, Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz oder Herzinsuffizienz-bedingte Notfall-Abklärung. Die Beobachtungsdauer betrug 18,2 Monate.

Hauptergebnisse

  • In der Dapagliflozin-Gruppe gab es bei 16,2 Prozent der Patienten ein primäres Endpunkt-Ereignis, in der Kontroll-Gruppe bei 21,2 Prozent (p = 0,00001). Die Berechnungen ergaben eine Hazard Ratio von 0,74 (0,65 - 0,85) und eine NNT (number of patients to be treated) von 21. Um ein primäres Endpunkt-Ereignis verhindern zu können, müssen als 21 herzinsuffiziente Patienten rund 1,5 Jahre lang täglich Dapagliflozin zusätzlich zu ihrer Standardmedikation einnehmen. 
  • Ein solches positives Ergebnis wurde auch in Subgruppen festgestellt, auch in der Gruppe der Patienten ohneTyp-2-Diabetes. So betrug die relative Risikoreduktion bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Typ-2-Diabetes Diabetes 25 Prozent (HR 0,75; 0,63-0,90) und bei den herzkranken Teilnehmern ohne Diabetes 27 Prozent (HR 0,73; 0,68-0,88).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse bekräftigen die Ergebnisse anderer Studien, wonach das Gliflozin bei Typ-2-Diabetes-Kranken gegen eine Herzinsuffizienz wirkt. Die Ergebnisse sprechen zudem dafür, dass das Antidiabetikum auch für herzinsuffiziente Patienten eine option sein könnte, die keinen Typ-2-Diabetes haben. Ob dieses Gliflozin oder andere SGLT-2-Hemmer in Zukunft das therapeutische Spektrum bei der Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion erweitern könnten, müsste allerdings noch in weiteren Studien mit entsprechenden Patienten-Gruppen belegt werden. Für eine endgültige Bewertung ist es sicher noch zu früh, zumal die Studie bislang nur auf einem Kongress präsentiert wurde. 

Finanzierung: AstraZeneca