SGLT-2-Hemmer bei Patienten mit und ohne Diabetes nephroprotektiv

  • ESC Congress

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin wirkt bei Diabetikern mit chronischer Nierenerkrankung wie auch bei nierenkranken Patienten ohne Diabetes mellitus nephroprotektiv. Das zeigen die Daten der kontrollierten Studie DAPA-CKD, die vor wenigen Tagen beim Kongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft vorgestellt wurden.

Hintergrund

Neue Therapie-Optionen gegen chronische Nierenerkrankungen einschließlich der diabetischen Nephropathie stehen seit Langem auf den Wunschlisten von Ärzten und Patienten. Denn die Zahl der Menschen, die jährlich an Nierenerkrankungen sterben, ist im letzten Jahrzehnt klar gestiegen, nach Schätzungen auf etwa 5 bis 10 Millionen; die treibenden Kräfte heißen: Adipositas, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und kardiovaskuläre Erkrankungen. Seit wenigen Jahren stehen jedoch neue Antidiabetika zur Verfügung, die, wie mehrere Studien gezeigt haben, nicht nur kardioprotektiv sind, sondern offenbar auch die Nieren schützen können. Dies trifft insbesondere auf die SGLT-2-Hemmer zu.

Schon seit einigen Jahren liegen positive Daten zu Empagliflozin vor; nephroprotektive Effekte sind inzwischen auf für Canagliflozin belegt. Eine der wichtigsten Fragen hierbei lautet, ob SGLT-2-Hemmer nur bei Diabetes-Patienten wirksam sind oder auch bei Nicht-Diabetikern. In der vorliegenden Studie wurde nun geprüft, ob das Gliflozin Dapagliflozin bei Diabetes-Patienten und chronischer Nephropathie und bei Nicht-Diabetikern mit Nierenerkrankung nephroprotektiv ist. Kardioprotektive Effekte von Dapagliflozin wurden bereits in einer früheren kontrollierten Outcome-Studie belegt. 

Design

An der Studie nahmen 4304 Patienten mit Albuminurie (Albumin-Kreatinin-Ratio mindestens 200mg/g) und einer geschätzten GFR von 25 bis 75 ml/min per 1,73 m2 teil. 90 Prozent der Patienten hatten eine eGFR

Hauptergebnisse

  • Die Inzidenz einer progredienten chronischen Nierenerkrankung (primärer Endpunkt) war in der Dapagliflozin-Gruppe um durchschnittlich 39 Prozent vermindert. Das Ergebnis war klar signifikant ( p=0.000000028). Die absolute Risikoreduktion betrug im Zeitraum von 2,4 Jahren 5,3 Prozentpunkte, die NNT (number needed to treat) 19.
  • Auch die Gesamtmortalitätsrate war in der Gliflozin-Gruppe signifikant niedriger (relative Risikoreduktion 31 Prozent, absolute Risikoreduktion 2,1 Prozentpunkte, p=0,0035).
  • 29 Prozent (p=0,0089) betrug die relative Risikoreduktion bei den kombinierten sekundären Endpunkten kardiovaskulärer Tod oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz.
  • Laut Studienautor Dr. Hiddo J.L. Heerspink (Universität Groningen) verzögerte Dapagliflozin den Beginn einer Dialyse und reduzierte die Zahl der Todesfälle, unabhängig davon, ob die Patienten Diabetiker waren oder nicht.
  • Der SGLT-2-Hemmer wurde nach Angaben des Studienautors gut vertragen. Ernsthafte Nebenwirkungen seien in der Dapagliflozin-Gruppe bei knapp 30 Prozent der Patienten aufgetreten, in der Placebo-Gruppe bei rund 34 Prozent. Schwere Hypoglykämien waren mit 0,7 Prozent im Vergleich zu 1,3 Prozent bei Patienten mit dem SGLT-2-Hemmer zudem seltener. Insbesondere gab es bei Patienten ohne Diabetes keine Hypoglykämien. Diabetische Ketoazidosen wurden bei zwei Patienten diagnostiziert; beide Patienten gehörten zur Placebo-Gruppe. 

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt das Potenzial der SGLT-2-Hemmer für die Therapie von Patienten mit chronischer Nieren-Erkrankung, und zwar nicht nur für Diabetes-Kranke, sondern auch für Patienten ohne Diabetes mellitus. Viele Jahre nach Einführung der nephroprotektiven ACE-Hemmer und Sartane stehen nun mit den Gliflozinen endlich neue Wirkstoffe zur Verfügung, für die zudem belegt ist, dass sie kardioprotektiv sind. Die bisher vorliegenden Studien-Daten sprechen dafür, diesen Wirkstoffen im klinischen Alltag einen größeren Stellenwert als bisher einzuräumen. 

 

Finanzierung: AstraZeneca