Sexueller Missbrauch von Kindern: Mehr Prävention trotz Rückgangs ein Muss


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs von Kindern hat in Deutschland laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) seit Veröffentlichung der PKS 1953 bis 2016 abgenommen. Ergebnisse aus der so genannten Dunkelfeldforschung sprechen teilweise auch für einen Rückgang. Gleichwohl ist die absolute Fallzahl erheblich, so dass verstärkte Bemühungen zur Prävention erforderlich sind. Eine wichtige Rolle in der Prävention spielen auch Ärzte. 

Hintergrund

Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein weltweites Gesundheitsproblem. In der Behandlung der Betroffenen und in der Prävention spielen das Gesundheitswesen und dessen Akteure eine wichtige Rolle.

Design

Untersucht wurde die Entwicklung des sexuellen Missbrauchs von Kindern seit 1953 in Deutschland anhand von Hellfelddaten (PKS) und Ergebnissen aus der Dunkelfeldforschung.  Die PKS erfasst alle Straftaten, die innerhalb eines Berichtjahres polizeilich bekannt wurden. Da den PKS-Daten lediglich die amtlich bekannt gewordenen Straftaten zugrunde liegen, geben sie kein wirklichkeitsgetreues Abbild der Realität wider. Den bekannten Taten des Hellfeldes stehen Fälle gegenüber, die den Strafverfolgungsbehörden nicht bekannt sind (Dunkelfeld). Eine klare Aussage zum Vergleich zwischen Hell- und Dunkelfeld ist laut den Autoren der vorliegenden Studie nur mit großen Einschränkungen möglich ist. 

Hauptergebnisse

  • Seit Einführung der PKS 1953 hat die Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs von Kindern nach § 176 StGB stetig abgenommen. Laut PKS gab es 1953 bezogen auf 100 000 Einwohner 33,4 Fälle, 1971 waren es knapp 25. 
  • Von 1971 bis 1985 sanken die Zahlen weiter und erreichten 1985 ein Niveau von 17,1. 2010 erreichte der Wert das bisher geringste Niveau (14,5);  bis 2016 stieg er leicht auf  14,6 Prozent an. 
  • Hinweise auf einen Rückgang des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen finden sich auch in einigen Dunkelfeldstudien. Die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich und auch nur sehr eingeschränkt vergleichbar, da unterschiedliche Stichproben erfasst wurden.

Klinische Bedeutung

In Anbetracht der nach wie vor hohen Prävalenz des sexuellen Missbrauchs sind den Autoren zufolge weitere Anstrengungen „sowohl bei der Implementierung von Präventionskonzepten als auch bei deren wissenschaftlichen Evaluation“ notwendig. Ärzten kommt bei der Therapie der Betroffenen und auch bei der präventiven Arbeit eine bedeutsame Aufgabe zu. So sollte zum Beispiel bei plötzlich auftretenden unspezifischen psychischen Symptomen von Kindern und Jugendlichen auch an die Möglichkeit eines sexuellen Missbrauchs gedacht werden und die entsprechenden Maßnahmen, diagnostischer und ggf. therapeutischer sowie strafrechtlicher Art, veranlasst werden. Eine Weitergabe von Kenntnissen an das Jugendamt oder die Strafverfolgungsbehörden ist unter den Voraussetzungen des § 34 StGB („rechtfertigender Notstand“) möglich.

Finanzierung: Die Studie wird von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Verband der Diözesen Deutschlands gefördert.