Septischer Schock: kein Überlebensvorteil durch intravenöses Vitamin C


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten im septischem Schock reduziert die Kombination aus Vitamin C, Thiamin und Hydrocortison die Sterblichkeit im Vergleich zu m Standard „ Hydrocortison alleine“ nicht . Die Frage eines potenziellen Nutzens von hochdosiertem Vitamin C i.v. ist zwar für diese Indikation noch nicht abschließend geklärt. Aktuell fehlt aber die Evidenz, um sie anzuwenden.

Hintergrund
Hoch dosiertes Vitamin C, intravenös appliziert, ist seit Längerem ein Kandidat für die Sepsistherapie, da es Entzündungsprozessen entgegenwirkt und auch einer sepsisinduzierten Koagulopathie. Bei einem Teil der Sepsispatienten wird zudem eine Vitamin-C-Defizienz diagnostiziert, wenn es auch keinen Standard-Test für die Vitamin-C-Bestimmung im Serum gibt. Statistisch jeder 5. Sepsis-Patient hat eine Vitamin-B1-Defizienz. Auf Basis dieser Befunde und kleinerer klinischer Studien ist in den USA das so genannte „Marik-Protokoll“ entwickelt worden: eine Kombination aus hochdosiertem intravenösem Vitamin C plus Thiamin plus Hydrocortison, dem Standardmedikament bei Sepsis (Paul Marik, Eastern Virginia Medical School). Da die bisherige klinische Prüfung der Wirksamkeit aber widersprüchliche Ergebnisse hatte, wird die Kombination weiter klinisch geprüft (1).

Design

  • prospektiv randomisierte, offene multizentrische Studie an 10 intensivmedizinischen Einheiten (ICU) in Australien, Neuseeland und Brasilien (VITAMINS)
  • 216 Patienten mit septischem Schock nach der Sepsis3-Definition wurden randomisiert in eine
  • Interventionsgruppe, die Vitamin C 1,5 g i.v. alle 6 Stunden, Thiamin 200 mg alle 12 Stunden und Hydrocortison 50 mg alle 6 Stunden erhielt (n = 109) und eine
  • Kontrollgruppe mit Hydrocortison alleine (50 mg alle 6 Stunden; n = 107)

Die Medikation erfolgte bis zu 10 Tage.

  • Primärer Endpunkt war die mediane Dauer des Überlebens ohne Therapie mit blutdruckerhöhenden Medikamenten (Vasopression). Zu den 10 sekundären Endpunkten gehörte die Mortalität.

Hauptergebnisse

Die Studie ergab keine Verbesserung durch die Kombination von Vitamin C, Thiamin und Hydrocortison im Vergleich zu Hydrocortison alleine. Die mediane Zeit des Überlebens ohne Vasopression betrug 122,1 Stunden in der Interventionsgruppe und 124,6 Stunden in der Kontrollgruppe. Und weder die 28-Tage-, noch die 90 Tage-Mortalität unterschieden sich: Sie lagen bei 22,6 % und 28,6 % in der Interventionsgruppe und bei 20,4 % und 24,5 % in der Kontrollgruppe.

Klinische Bedeutung
Das negative Ergebnis der VITAMINS- Studie spreche nicht endgültig gegen ein positives Potenzial von Vitamin C, heißt es im begleitenden Editorial ( 2 ). Erst weitere bereits laufende oder geplante Studien könnten Klarheit bringen, auch zu optim alen Dosierungen. Aktuell lasse sich allerdings die Dreierkombination "Vitamin C plus Thiamin plus Hydrocortison i.v." gegenüber dem Standard "Hydrocortison alleine" nicht vertreten.

Die Sepsis ist die schwerste Verlaufsform akuter Infektionen und endet in 30-50 % der Fälle tödlich. Die Optimierung der frühen Diagnose und Therapie einer Sepsis ist auch für Deutschland von hoher Bedeutung. Die Sepsisfallzahlen steigen tendenziell: 2013 gab es 279 530 Erkrankungen, 2007 waren es noch 200 535 gewesen (3). Außerdem nimmt der Anteil der schweren Sepsisverläufe zu (27 % im Jahr 2007, 41 % im Jahr 2013).

Finanzierung: öffentliche Mittel