Sepsis: Mit Biomarkern lassen sich Langzeitprognose und Therapiebedarf abschätzen

  • JAMA Network Open

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nach einer akuten, stationären Sepsistherapie lassen sich die überlebenden Patienten auf Basis von Biomarkern in zwei Immunphänotypen kategorisieren: einen Phänotyp mit normalem Inflammations- und Immunstatus und einen mit erhöhtem C-reaktivem Protein (CRP) und löslichen Checkpoint-Proteinen. Dieser zweite Phänotyp ist gekennzeichnet durch Hyperinflammation und Immunsuppression, und er ist mit einem deutlich erhöhten Sterblichkeitsrisiko assoziiert.

Hintergrund
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion aufgrund einer inadäquaten Antwort auf Infektionen. Das Risiko für schwere Krankheitsverläufe wird anhand des qSOFA-Scores eingeschätzt, basierend auf den Kriterien Bewusstseinsveränderung, Tachypnoe und Hypotension. Derzeit wird intensiv daran geforscht, auf Basis von Biomarkern die klinische Diagnostik zu ergänzen und Prognoseabschätzung und Monitoring zu verbessern.

Design

  • Multizentrische, prospektive Kohortenstudie mit 483 sequenziell stationär aufgenommenen Patienten, die wegen Sepsis therapiert wurden
  • Untersuchung der Patienten und Blutabnahmen zu 5 Zeitpunkten: binnen 0-72 Stunden nach stationärer Aufnahme und 7-11 Tage danach und anschließend 3, 6 und 12 Monate später, wenn die Patienten wieder entlassen waren
  • Bestimmung von Biomarkern in 5 Bereichen:
    • Entzündung
    • Immunsuppression
    • Homöostase
    • endotheliale Dysfunktion und
    • oxidativer Stress

Die Hypothese war, dass ein bestimmtes Set an Biomarkern die Abschätzung der Prognose im Langzeit-Verlauf zuverlässiger machen könne oder sich für die Prognose-Abschätzung relevante Phänotypen erkennen lassen.

Hauptergebnisse
Die 483 Studienteilnehmer waren durchschnittlich 60,5 Jahre alt, hatten mindestens eine chronische Erkrankung und 205 von ihnen (42,5 %) waren in der Vergangenheit schon mindestens 1 Mal wegen Sepsis stationär behandelt worden. 8,9 % verstarben binnen 3 Monaten und insgesamt 17,6 % im Verlauf von 12 Monaten.

Erhöhte Werte des CRP, einem Entzündungsmarker, und des löslichen Checkpoint-Proteins sPD-L1 als Marker für eine Verstärkung immunsuppressiver Regelkreise waren aussagekräftige Prognosefaktoren. 25,6 % der Gesamtgruppe hatten erhöhte CRP-Werte zu Monat 12 und 49 % erhöhte sPD-L1-Werte zu Monat 12. Auf Basis dieser beiden Marker ließen sich die Phänotypen „normaler Immunstatus“ und „Hyperinflammation/verstärkte Immunsuppression“ ableiten. Das Risiko, innerhalb von 12 Monaten zu sterben, war bei Hyperinflammation/verstärkter Immunsuppression um den Faktor 8,2 erhöht (p

Klinische Bedeutung
Erhöhte Inflammationswerte sind nach Sepsis häufig. Bei zwei Drittel der Patienten, die von einer stationären Sepsistherapie nachhause entlassen werden, sind Entzündungs- und/oder Immunsuppressions-Marker anhaltend erhöht. Für den Phänotyp „Hyperinflammation/verstärkte Immunsuppression“ schlagen die Autoren vor, durch eine intensivere immunmodulierende Behandlung einem Rückfall besser vorbeugen.

Finanzierung: National Institutes of Health der USA