Sepsis: Hausärzte mit Lotsenfunktion

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Berlin (pag) – Sepsis muss auf allen Sektoren angegangen werden. Auch in der Nachsorge. Das fordert Prof. Christiane Hartog auf der Veranstaltung „Die Bedrohung durch Sepsis und Pandemien im 21. Jahrhundert“, die im Vorfeld des Welt-Sepsis-Tags am 13. September stattfindet. Veranstalter ist die Sepsis-Stiftung.

„Drei Viertel der Menschen, die eine Sepsis überleben, weisen im Anschluss eine neue Krankheit auf“, nennt Hartog von der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Charité ganz aktuelle Zahlen. Sie fordert eine „strukturierte Nachsorge“. Alle Sektoren müssten miteingebunden werden. Hausärzte etwa könnten eine Lotsenfunktion übernehmen. „Ärzte müssen Sepsis-Folgen kennen und erkennen können“, wünscht sie sich.

Als leuchtendes Beispiel in der Sepsis-Qualitätssicherung gilt der US-Bundesstaat New York. Zugeschaltet ist der Chief Medical Officer des dortigen Gesundheitsamtes Prof. Marcus Friedrich. In New York seien die Krankenhäuser angehalten, Sepsis-Protokolle anzufertigen, ihr Personal zu schulen und die Daten zum Gesundheitsamt zu übermitteln. Friedrich: „Wir waren relativ erfolgreich.“ Die Sterblichkeit durch Sepsis sei zurückgegangen. Aus der Schweiz zugeschaltet ist der Neonatologe Prof. Luregn Schlapbach, der von seinen Erfahrungen am Universitätsklinikum Queensland (Australien) referiert. Dort hat eine interdisziplinäre Gruppe ein Maßnahmenpaket entwickelt. Eine Erkenntnis: Die Angehörigen müssen miteingebunden werden – auch nach dem Krankenhausaufenthalt.

Relativ zufrieden zeigt sich Dr. Frank Brunsmann, Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), mit den aktuellen Entwicklungen. „Wir haben 2017 einen Antrag auf Entwicklung einer Qualitätssicherungs-Maßnahme gestellt. Sie ist vor zwei Monaten in einem Auftrag gemündet.“ 2023 rechnet er mit Fertigstellung. „Das ist vergleichsweise schnell.“ Dr. Konrad Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung, ist mit dem Tempo nicht zufrieden. In New York habe das nur einige Monate gedauert.