Selbstverletzungen unter Jugendlichen sehr verbreitet


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Was absichtlich verletzendes Verhalten unter Jugendlichen betrifft gehört Deutschland im europäischen Vergleich zu den Spitzenreitern. Zwischen 25 und 35 Prozent aller Jugendlichen haben sich mindestens einmal im Leben selbst verletzt. Diese Ergebnisse präsentieren Forscher der Universität Ulm in einer Studie im Deutschen Ärzteblatt zu selbstverletzendem Verhalten ohne Suizidabsicht im Jugendalter. Die Autoren gehen in ihrer Veröffentlichung auch auf die leitlinien­gerechte Behandlung ein.

Ritzen, schneiden, schürfen, schlagen oder verbrennen – nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten wird definiert als eine direkte, wieder­holte, sozial nicht akzeptierte Schädigung des eigenen Körpers ohne Selbsttötungs­absicht. Selbstverletzungen dienen manchmal auch zur Vortäuschung von Straftaten. In der Regel dient dieses Verhalten jedoch der Regu­lation aversiver emotionaler Zustände. Zu den hierfür begünstigenden Risikofaktoren zählen neben begleitenden psychiatrischen Erkrankungen in erster Linie Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit, aber auch Mobbing. Je öfter sich jemand verletzt umso höher wird die Schmerzschwelle.

Als Behandlung steht die Psychotherapie im Vordergrund. Hierbei sollten jedoch psychische Komorbiditäten mitberücksichtigt werden, so die Autoren. Bislang hat sich keine der unterschiedlichen psychotherapeutischen Behandlungsoptionen als deutlich überlegen erwiesen. Hier bieten sich in erster Linie die kognitive Verhaltenstherapie und dialektisch-behaviorale oder mentalisierte Behandlungsansätze an. Für pharmakologische Therapien gibt es bislang keinen Wirkungsnachweis.