Selbstloses Handeln - ein Analgetikum gegen akute und sogar chronische Schmerzen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Selbstloses Handeln lindert nicht nur akute körperliche Schmerzen bei gesunden Erwachsenen, sondern auch chronische Schmerzen von Krebs-Patienten.

Nur eine Investition in die Zukunft?

Altruistisches Handeln ist in der menschlichen Gesellschaft hoch angesehen. Dass Problem dabei ist, dass es oft mit persönlichen Nachteilen, etwa finanziellen oder auch gesundheitlichen, verknüpft ist. Dennoch handeln Menschen altruistisch. Erstaunlicherweise ist die Bereitschaft zu selbstlosem Handeln gerade in Krisen-Situationen trotz gestiegener persönlicher Risiken noch stärker ausgeprägt als sonst. Seit Jahrhunderten sind Wissenschaftler der Frage nachgegangen, warum Menschen sich so verhalten. Eine häufige Erklärung ist, dass es sich bei einem altruistischen Verhalten um eine Art Investition handelt, die sich in Zukunft irgendwie "bezahlt machen" wird. Chinesische Wissenschaftler haben kürzlich eine weitere mögliche Erklärung geprüft: Sie haben in mehreren Studien und Experimenten untersucht, wie sich uneigennütziges Verhalten, das mit physischen Schmerzen einhergeht, unmittelbar auf den altruistisch Handelnden auswirkt. Ihre Hypothese war, dass uneigennütziges Verhalten mit reduzierten Schmerzen (oder anderen Empfindungen) assoziiert ist.

Spender verspüren Schmerzlinderung 

Ergebnis ihrer Pilotstudien und Experimente: altruistisches Verhalten lindert tatsächlich körperliche Schmerzen. Einen solchen Effekt beobachteten die Wissenschaftler bei verschiedenen Formen uneigennützigen Verhaltens -  etwa Blutspenden nach Erdbeben, Opfern von Zeit für andere Menschen oder Geldspenden für verwaiste Kinder und für verschiedene Arten von Schmerzen. 

Mit der funktionellen MRT haben die Forscher auch die möglichen neurobiologischen Mechanismen der Schmerzmodulation durch das altruistische Verhalten untersucht. Die MRT-Befunde stützen ihren Angaben nach die Ergebnisse der Pilotstudien und Experimente. Sie zeigten zum Beispiel eine verminderte Aktivität jener Hirnareale, die am Schmerzempfinden beteiligt sind, wenn die Probanden etwas spendeten. 

Den Forschern zufolge verschafft der unmittelbare Effekt altruistischen Verhaltens der so handelnden Personen einen persönlichen Vorteil in Krisen- oder Not-Situationen (etwa einen Überlebensvorteil).

Willst Du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück; denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück“, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe.