Selbst bei leichter Demenz leidet ein Großteil der Betroffenen unter Schlafapnoe

  • Gronewold J & al.
  • Int J Environ Res Public Health
  • 09.03.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussage

Schlafapnoe ist ein wichtiger Risikofaktor für Demenz. In der vorliegenden Studie litten knapp 90% der untersuchten Demenzpatienten unter Atemaussetzern während des Schlafs.

Hintergrund

Schlafapnoe kann zu kurzzeitigem Sauerstoffmangel im Gehirn führen. Das belastet das Gehirn und gilt als Risikofaktor für Demenz. Die nächtlichen Atemaussetzer können zudem das Fortschreiten einer Demenz beschleunigen. Oftmals allerdings bleibt die Schlafapnoe unerkannt. Daten darüber, wie häufig Demenz-Patienten von Schlafapnoe betroffen sind, liegen bislang nur für Personen mit schwerer Demenz vor. Die vorliegende Studie der Universität Duisburg-Essen hatte zum Ziel herauszufinden, wie häufig Patienten mit leichter oder mittelschwerer Demenz von Schlafapnoe betroffen sind.

Studiendesign

Bei insgesamt 101 Demenzpatienten (70% Frauen, Altersspanne zwischen 66 und 97 Jahren, mittleres Alter 84.1 Jahre, SD 6.5 Jahre), auf der geriatrischen Station stationär versorgt, wurden die Schlafaussetzer während des Nachtschlafs mit einer mobilen Untersuchungseinheit direkt am Krankenbett überwacht. Darüber hinaus wurden Daten zu Schläfrigkeit am Tag, Demenzsymptomen, Mobilität sowie kognitiven und emotionalen Funktionen erhoben.

Hauptergebnisse

  • 87,8% der untersuchten Patienten hatten eine Schlafapnoe.
  • Darunter waren 42.2% mit leichten und 47.6% mit mittleren bis schweren Atemaussetzern.
  • Mittelschwere bis schwere Schlafapnoe stand im Zusammenhang mit Vitamin D-Mangel.
  • Es wurde kein Zusammenhang zwischen der Schwere der Schlafapnoe und der Ausprägung der Demenz festgestellt.

Klinische Bedeutung

Frühere Studien haben gezeigt, dass sich durch nasale Sauerstoffgabe oder positive Atemdrucktherapie Denkfähigkeit und Demenzsymptome verbessern lassen. Durch die therapeutischen Maßnahmen wir sichergestellt, dass das Gehirn während der Atemaussetzer keinen Sauerstoffmangel erleidet. „Je früher wir die Atmungsstörungen erkennen und behandeln, umso mehr könnten auch Patienten mit leichter Demenz davon profitieren, und die Krankheit schreitet vermutlich langsamer voran“, sagt Dirk Hermann, Professor für vaskuläre Neurologie, Demenz und Altersforschung an der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen.

Die Studie ergab allerdings auch, dass Atemmasken für die Sauerstofftherapie oft als störend empfunden und daher schlecht akzeptiert werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen besteht daher Bedarf, neue Therapien zu entwickeln.

Limitierung

Die Studie kann nicht nachweisen, ob die Demenz durch die Schlafapnoe bedingt ist, oder umgekehrt. Möglicherweise bedingen und verstärken sich Demenz und Schlafapnoe gegenseitig.

 

Finanzierung

Paul-Kuth-Stiftung