Sekundärprävention reduziert das Sturzrisiko bei besonders gefährdeten Senioren um ein Drittel

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Ein spezifisches Übungsprogramm, bei dem ein Physiotherapeut Senioren ab 70 Jahren mehrmals zuhause unterrichtet, führte nach durchschnittlich 11 Monaten zu einer erheblichen Reduktion der Sturzhäufigkeit, hatte aber keinen positiven Einfluss auf die Häufigkeit von Frakturen.

Hintergrund

Laut den Autoren ist es unklar, ob ein Übungsprogramm die Sturzhäufigkeit bei Älteren reduzieren kann, die bereits einen Sturz erlitten haben.

Design

Anwendung eines spezifischen, individualisierten Programmes mit 5 Kraft- und 12 Balanceübungen, (Otago Exercise Program) die zuhause 3 Mal pro Woche über 6 Monate absolviert werden sollten, wobei die eine anfängliche Anweisung sowie 3 weitere Sitzungen von einem Physiotherapeuten betreut wurden. Die Interventionsgruppe bestand aus 173 Senioren im Alter von durchschnittlich 81,6 Jahren (67 % weiblich), die in den 12 Monaten davor einen Sturz erlitten hatten und in einer Sturzpräventionsklinik rekrutiert worden waren. Als Kontrollgruppe dienten 172 weitere Senioren, die von einem Geriater zur Sturzprävention aufgeklärt wurden.

Ergebnisse

  • Nach einer durchschnittlichen Nachverfolgungszeit von 338 Tagen hatten sich in der Interventionsgruppe 236 Stürze ereignet gegenüber 366 Stürzen in der Kontrollgruppe.
  • Die Inzidenzrate unter dem Übungsprogramm wurde auf 1,4 Stürze pro Person und Jahr geschätzt (95%-Konfidenzintervall 0,1 – 2,0), in der Kontrollgruppe waren es 2,1 Stürze pro Person und Jahr (95%-KI 0,1 – 3,2).
  • Die absolute Differenz der Sturzinzidenz betrug 0,74 Stürze pro Person und Jahr und war mit einem 95%-KI von 0,04 – 1,78 ebenso signifikant (P = 0,006) wie das Verhältnis der Inzidenzraten (P = 0,009).
  • Die Zahl der Teilnehmer, die 1 oder mehr Stürze erlitten, war in beiden Gruppen gleich groß. Die Zahl der Frakturen durch Stürze betrug 15 in der Interventionsgruppe gegenüber 12 in der Kontrollgruppe.

Klinische Bedeutung

Die Zahlen sprechen für den Nutzen des Otago Exercise Program in der Sekundärprävention von Stürzen bei besonders gefährdeten Senioren ab 70 Jahren; sie legen zudem nahe, dass lediglich 1,2 Personen ein Jahr lang behandelt werden müssten, um einen Sturz zu vermeiden. Beim harten Endpunkt Frakturen durch Stürze war die Intervention aber nicht überlegen, sodass eine Replikation der Studie in anderen klinischen Umgebungen auch nach Meinung der Autoren angezeigt scheint.

Finanzierung: Canadian Institutes for Health Research.