Sechs bis acht Stunden täglich vor dem Bildschirm – Für US-Amerikaner ist das normal

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Innerhalb von 15 Jahren sind die Zeiten, die US-Amerikaner vor Fernsehern, mit Videos und Computern verbringen, bestenfalls stabil geblieben und haben sich teilweise verlängert. Etwa zwei Drittel der Erwachsenen sitzen dort länger als 2 Stunden täglich, im Durchschnitt sind es etwa 6 Stunden.

Hintergrund

Sitzen gilt als das neue Rauchen, und insbesondere längere Zeiten fern zu sehen oder Videos zu schauen ist ein Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten und eine erhöhte Mortalität.

Design

Ziel der Studie war es, mögliche Veränderungen der Sitzgewohnheiten von US-Amerikanern beim Fernsehen und Videoschauen im Zeitraum von 2001 – 2016 zu erfassen. Die Forscher nahmen dazu eine serielle Querschnittsanalyse repräsentativer Daten aus dem National Health and Nutrition Examination Survey bei verschiedenen Altersgruppen vor.

Ergebnisse

  • Ausgewertet wurden die Daten von 51.896 Individuen im mittleren Alter von 37,2 Jahren, darunter 10.359 Kinder, 9.639 Jugendliche und 31.898 Erwachsene.
  • Die Prävalenz von Sitzzeiten > 2 h/Tag vor TV und/oder Video war im jüngsten Erfassungszyklus 2015/2016 bei Kindern 62 %, bei Jugendlichen 59 %, und bei Erwachsenen insgesamt 65 % und bei Senioren ab 65 Jahren 84 %.
  • Im Trend der Jahre 2001 bis 2016 sahen die Forscher eine leichte Abnahme (3,4 %) bei Kindern (P = 0,004), stabile Inzidenzen bei den mittleren Altersgruppen, und eine leichte Zunahme bei den Senioren (3,5 %; P = 0,03).
  • Die geschätzte Prävalenz, mit der Computer außerhalb der Arbeit oder Schule täglich mehr als 1 Stunde genutzt wurden, nahm in allen Altersgruppen signifikant zu:
    • Kinder 43 % -> 56 %
    • Jugendliche 53 % -> 57 %
    • Erwachsene 29 % -> 50 %
  • In den Jahren 2007 bis 2016 nahm der Durchschnitt der erfassten Gesamtsitzzeiten signifikant zu, und zwar für:
    • Jugendliche von 7 auf 8,2 Stunden täglich,
    • Erwachsene von 5,5 auf 6,4 Stunden täglich.

Klinische Bedeutung

Eine Schwäche der Untersuchung dürfte darin bestehen, dass die Daten von den Probanden selbst gemeldet wurden, und dass Sitzzeiten am Telefon und anderen Geräten ebenso wenig erfasst wurden, wie das Lesen von Büchern. Im Vergleich zu den heute üblichen Auswertungen von Fitnessarmbändern und Smartwatches könnte diese Fehler und Ungenauigkeiten begünstigen und zu einer Unterschätzung der wahren Sitzzeiten führen. Ohnehin sind die Zeiten, die (nicht nur) US-Bürger heutzutage vor Bildschirmen verbringen, bedenklich. Ob globale Aktionspläne oder nationale Leitlinien daran etwas ändern werden, bleibt abzuwarten.

Finanzierung: National Cancer Institute, Biostatistics Shared Resource.