Screening mit Knochendichtemessung zur Vermeidung osteoporotischer Frakturen „überzeugend“


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die US-amerikanische Expertenkommission USPSTF hat ihre Empfehlungen zum Osteoporose-Screening aus dem Jahr 2011 aktualisiert und findet überzeugende Beweise dafür, dass Knochendichtemessungen bei allen Frauen ab 65 Jahren sinnvoll sind.

Hintergrund

Laut der Bone Evaluation Studie betrug die Prävalenz der Osteoporose in Deutschland im Jahr 2009 bei über 50-Jährigen 14 % (Frauen 24 %, Männer 6 %) - das entspricht 6,3 Millionen Betroffenen. Innerhalb eines dreijährigen Beobachtungszeitraumes hatten 52 % der Patienten Frakturen bzw. Mehrfachfrakturen erlitten. In den USA ist die Situation nicht weniger dramatisch, und die mit der Gesundheitsberatung beauftragte U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) hat deshalb die Evidenz zum Nutzen eines Osteoporose-Screenings bei Frauen ab dem 65. Lebensjahr evaluiert.

Design

Literaturreview und Expertenkonsensus mit dem Ziel, die Empfehlungen der USPSTF aus dem Jahr 2011 dem neuesten Stand der Wissenschaft anzupassen. Evaluiert wurde die Evidenz für ein Screening in unterschiedlichen Intervallen und die Behandlung osteoporotischer Frakturen bei postmenopausalen Frauen und älteren Männern ohne vorherige Osteoporose-bedingte Frakturen, Komorbiditäten oder Medikamentengebrauch.

Hauptergebnisse

  • Die Expertengruppe fand „überzeugende Beweise“, dass Knochendichtemessungen eine Osteoporose akkurat nachweisen und osteoporotische Frakturen bei Frauen und Männern vorhersagen können.
  • „Hinreichend“ sind die Beweise, dass klinische Bewertungswerkzeuge „einigermaßen genau" das Risiko einer Osteoporose und dadurch bedingter Frakturen erkennen können.
  • „Überzeugend“ ist wiederum die Evidenz, dass eine medikamentöse Therapie die Häufigkeit nachfolgender Frakturen bei postmenopausalen Frauen verringern kann. Bei Männern gibt es dafür allerdings keine ausreichenden Beweise.

Klinische Bedeutung

Die Empfehlungen der USPSTF dürften auch hierzulande mit Interesse gehört werden. Sie lauten: Empfehlungsgrad B zugunsten eines Screenings mit Knochendichtemessung zur Vermeidung von Frakturen bei Frauen ab 65 Jahren. Frauen unter 65 Jahren mit klinisch nachgewiesenem erhöhten Risiko sollten ebenfalls eine Knochendichtemessung erhalten. Hierzulande hat der Dachverband der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften (DVO) Ende 2017 eine neue Leitlinie Osteoporose herausgebracht, die hohen Wert auf die Abschätzung des Frakturrisikos bereits bei Personen ab 50 Jahren legt. Bei erhöhtem Osteoporose- und Frakturrisiko wird dann die Knochendichtemessung (mittels DXA) als Teil der Basisdiagnostik empfohlen. Weiterhin heißt es dort: "Ab einem Lebensalter von 70 Jahren sollte regelmäßig eine Sturzanamnese zur Feststellung des Sturzrisikos erhoben werden" (Empfehlungsgrad B).

Finanzierung: Die USPSTF ist eine unabhängige beratende Einrichtung auf freiwilliger Basis. Sie wird unterstützt von der US-amerikanischen Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ).