Schwerpunkt Ernährung und Infektionsrisiko: Die Leitlinie Colitis ulcerosa ist aktualisiert


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Einfluss der Ernährung auf Primär- und Sekundärprävention der Colitis ulcerosa wird häufig überbewertet, das Infektionsrisiko bei immunsuppressiver Behandlung dagegen unterschätzt, so die aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa.

Hintergrund
In Deutschland haben circa 150.000 Menschen eine Colitis ulcerosa (CU). Meist beginnt sie während der Schulzeit oder Berufsausbildung und dauert lebenslang an. Klinische Manifestationen sind wiederkehrende, auch schwere, blutige Durchfälle. Ein dadurch verursachter Nährstoffmangel (Proteine, Eisen, Vitamin D, Folsäure, Zink) kann Komplikationen wie akute Schwäche und Wachsstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen hervorrufen. Viele Patienten aber erhalten nach wie vor keine adäquate Therapie, so die Autoren der Leitlinie.

Design

  • Leitlinie für Allgemeinmediziner, Internisten, Kinder- und Jugendmediziner, Chirurgen, Gastroenterologen, Pathologen, Fachassistenz CED, Patienten, Angehörige und Leistungserbringer
  • systematische Literaturrecherche zur Aktualisierung und interdisziplinäre Bewertung

H auptergebnisse

  • Bei Diagnose einer CU ist die Abgrenzung zu Morbus Crohn wünschenswert, wenn auch nicht immer möglich. Das Fehlen von rektalem Blutabgang oder Symptomen bei aktiven Rauchern sollte an Morbus Crohn denken lassen
  • Bei Erstdiagnostik wird eine mikrobiologische Stuhl-Untersuchung empfohlen, spätestens vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie auch ein Screening auf Hepatitis B, Tuberkulose und EBV
  • Primäres Therapieziel ist, Patienten rasch in klinische und endoskopische Remission zu bringen und diese langfristig ohne Steroide zu erhalten
  • Empfehlungen zur Therapie: bei leichter bis mäßig aktiver Proktitis zunächst Mesalazin. Wenn die Symptome nicht zurückgehen, eine systemische Steroidtherapie. Optionen bei einer steroidabhängigen CU sind Thiopurine, TNF-Antikörper oder Kombinationen
  • Für eine primäre remissionserhaltende Therapie werden Aminosalizylate empfohlen (mindestens 2 Jahre bei Ansprechen), von Kortikosteroiden zur Remissionserhaltung raten die Autoren ab
  • Zur chirurgischen Behandlung der therapierefraktären CU oder bei maligner Entartung ist die restaurative Proktokolektomie Standard
  • Die Nährstoffversorgung sei regelmäßig zu überprüfen, fehlende Nährstoffe sollten als Tablette oder Infusion appliziert werden
  • Eine spezielle Diät oder Ernährungstherapie zur Remissionserhaltung sei nicht wirksam, eine generelle Vitamin- oder Spurenelementsubstitution nicht sinnvoll, isolierter Mikronährstoffmangel gezielt oral oder parenteral mit Supplementen zu behandeln

Klinische Bedeutung
Mit Ausnahme des Stillens (mindestens 6 Monate) gebe es keine Ernährungsfaktoren, die zur Risikominderung für ein CU empfohlen werden können, betont die Leitlinie. Im Gegensatz zu Morbus Crohn sei auch bei manifester CU der Einfluss ernährungstherapeutischer Maßnahmen (Trinknahrung, enterale, parenterale Ernährung) gering oder nicht belegt. Bei einer Kombinationstherapie aus mehreren immunsuppressiv wirkenden Medikamenten steige das Risiko für Infektionen mit jeden weiteren Medikaments deutlich an, das werde häufig unterschätzt. Patienten im höheren Alter, mit Komorbiditäten oder Mangelernährung seien besonders gefährdet. Die Mediziner raten, noch vor Beginn der Therapie den Impfstatus zu prüfen, fehlende Impfungen nachzuholen und immusupprimierte Patienten jährlich gegen Grippe zu impfen.