Schwerkranke COVID-19-Patienten: Hilft Remdesivir?

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Unter einer zehntägigen Therapie mit Remdesivir haben sich in einer unkontrollierten Studie rund zwei Drittel schwerkranker COVID-19-Patienten klinisch gebessert. Diese positive Beobachtung muss nun in randomisierten und kontrollierten Interventionsstudien geprüft werden. 

Hintergrund

Derzeit werden mehrere bereits verfügbare Wirkstoffe und auch neue Substanzen bei Patienten  mit COVID-19 erprobt. Das ursprünglich für Ebola-Patienten gedachte Remdesivir wird als besonders vielversprechender Wirkstoff eingeschätzt. Nun liegen klinische Daten einer kleinen Gruppe von Patienten vor. Remdesivir ist eine Prodrug eines Nukleosidanalogon; der antivitale Wirkmechanismus besteht in der Hemmung der viralen RNA-Polymerase. Remdesivir hat ein breites antivirales Wirkspektrum.

Design

Ausgewertet wurden Daten von 53 Patienten (davon 40 Männer) aus Kliniken in den USA, Kanada, Europa und Japan. Die Teilnehmer hatten eine belegte Infektion mit dem neuen Coronavirus und eine Sauerstoff-Sättigung von maximal 94 Prozent unter Umgebungsluft oder unterstützender Sauerstoff-Gabe; bei 34 Patienten war eine invasive Beatmung notwendig; ihr Durchschnittsalter betrug 67 Jahre; 19 Patienten erhielten nicht-invasiv Sauerstoff; sie waren mit durchschnittlich 53 Jahren deutlich jünger. Rund  drei Viertel aller 34 invasiv beatmeten Patienten hatten eine Vorerkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Bei vier Patienten war eine ECMO notwendig. Die Studien-Teilnehmer erhielten an zehn Tagen Remdesivir, am ersten Tag 200 mg (intravenös), an den folgenden Tagen je 100 mg. 

Hauptergebnisse

  • Innerhalb einer medianen Beobachtungszeit von 18 Tagen wurde bei 36 (68 Prozent) der 53 Patienten eine klinische Besserung (beurteilt anhand des Bedarfs an Sauerstoff) festgestellt. 
  • Bei den 34 invasiv beatmeten Patienten betrug dieser Anteil 56 Prozent (n = 19), bei den nicht-invasiv beatmeten Patienten 71 Prozent (5/7) und bei den übrigen 12 Patienten 100 Prozent. 
  • 17 der 30 intubierten Patienten konnten extubiert werden, 25 Patienten das Krankenhaus verlassen; sieben Patienten starben, sechs davon in der Gruppe der 34 invasiv beatmeten Patienten. 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der Kohorten-Studie stützen die Hoffnungen, die in diesen Wirkstoff gesetzt werden. Die Autoren betonen allerdings, dass es sich um Daten einer kleinen Studie ohne Kontroll-Gruppe handelt, so dass die Ergebnisse nicht überbewertet werden sollten. Notwendig seien nun kontrollierte Interventionsstudien. Der Hersteller hat daher auch schon zwei randomisierte Phase-3-Studien (SIMPLE) gestartet, in denen Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs bei COVID-19-Patienten geprüft wird: bei Patienten mit schweren Verläufen und bei Patienten mit mittelgradig manifester Erkrankung. An dem Studien-Programm nehmen acht deutsche Kliniken teil. Beide Studien sind nicht placebo-kontrolliert; verglichen wird der klinische Verlauf bei Patienten mit Remdesivir zusätzlich zur Standardtherapie mit dem Verlauf bei Patienten, die nur die  Standardbehandlung erhalten (supportive Maßnahmen).

Finanzierung: Gilead Sciences